Hannover will 3 Millionen für Jugendprojekte
Hannover will den Topf für Jugendprojekte von 1 auf 3 Millionen Euro erhöhen und beruft sich auf 6 Millionen Ersparnis, die nur angenommen ist
Was ist passiert?
Seit 2005 stellt Hannover aus dem Budget für Hilfen zur Erziehung eine Million Euro für sogenannte Experimentiermittel bereit. Damit werden Angebote bezahlt, die in der regulären Hilfestruktur fehlen, etwa eine Beratungsstelle für Sinti und Roma oder Boxtraining für Jugendliche in Mühlenberg. Die Idee: Wer früh vorbeugt, zahlt später weniger für teure Einzelhilfen. Acht Projekte erhalten 2026 zusammen 939.540,62 Euro, das Budget ist damit nahezu verplant.
Die Verwaltung will den Topf deshalb auf drei Millionen Euro verdreifachen und stellt Einsparungen von bis zu sechs Millionen Euro in Aussicht. Grundlage sind keine nachgewiesenen vermiedenen Fälle, sondern Vergleichsrechnungen: Man unterstellt, jede betreute Familie hätte sonst eine sozialpädagogische Familienhilfe bekommen, jeder Jugendliche einen Erziehungsbeistand, jeweils fünf Stunden pro Woche. Die Differenz gilt als gespart.
Beim Projekt Meilenstein kosten die Hilfen 198.022,33 Euro, die unterstellte Familienhilfe für bis zu 60 Kinder dagegen 312.000 Euro. Ersparnis laut Vorlage: 113.977,67 Euro. Bei 8sam stehen 95.074,95 Euro für sieben Monate einem Vergleichswert von 198.400 Euro für ein ganzes Jahr gegenüber, angeblich gespart: 103.325,05 Euro. Setzt man auch den Vergleich auf sieben Monate an (198.400 : 12 × 7 = 115.733 Euro), bleiben rund 20.700 Euro, also etwa ein Fünftel.
Die Gesamtersparnis von 2.622.700 Euro soll „nach Abzug der Ausgaben“ gelten. In der Tabelle steht allerdings die Summe der Vergleichskosten. Zieht man die 939.540,62 Euro Förderung ab, bleiben 1.683.159,38 Euro, und auch die sind nur unterstellt. Die Kostentabelle der Vorlage verzeichnet für die geplante Aufstockung um zwei Millionen Euro: keine finanziellen Auswirkungen.
Kritik
Vorbeugung in der Jugendhilfe kann sinnvoll sein, doch ein Budget zu verdreifachen, weil Vergleichsfälle auf dem Papier Geld sparen, ist eine Wunschrechnung. Wenn Förderzeiträume und Vergleichszeiträume nicht übereinstimmen, wächst die Ersparnis allein durch die Rechenart. Bevor aus einer Million drei werden, hätte die Stadt zeigen müssen, dass durch die Projekte tatsächlich Hilfen zur Erziehung entfallen sind. Der Ausbau sollte schrittweise erfolgen und an dieser Messung hängen, nicht an einer Prognose von bis zu sechs Millionen Euro.
0654-2026: , Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 27. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.