7,13 Millionen Euro für ein Dach aus Licht
Hannover zahlt 3,68 Millionen Euro für ein Lichtdach im Hof des Sprengel Museums, das nur etwa zwei Stunden am Abend leuchtet
Was ist passiert?
Das Sprengel Museum in Hannover besitzt einen Skulpturenhof, der bislang unter freiem Himmel liegt. Dort soll künftig ein Lichtkunstwerk des Künstlers James Turrell stehen, ein sogenannter Skyspace. Ein baldachinartiges Dach überspannt fast den gesamten Hof und wird von unten mit LED-Leisten angeleuchtet. Besucher sollen darunter den Himmel anders wahrnehmen.
Die Wirkung hat allerdings ein enges Zeitfenster. Ein eigens programmierter Lichtablauf läuft nur in der Dämmerung und dauert 1,5 bis 2 Stunden. Im Sommer fällt das teilweise außerhalb der Museumsöffnungszeiten. Das Museum muss deshalb mit betrieblichen Maßnahmen verhindern, dass Gäste in bereits geschlossene Bereiche oder auf die Toiletten gelangen.
Die Stadt gab im Sommer 2026 einstimmig 7,13 Mio. Euro frei. Das sind 6,2 Mio. Euro Baukosten und ein pauschaler Zuschlag von 15 Prozent oder 930.000 Euro für Preissteigerungen und Unvorhergesehenes. Das Honorar des Künstlers steht nicht in der Summe und wird aus Drittmitteln bezahlt. Von den 7,13 Mio. Euro kommen 3,45 Mio. Euro von Hannover Rück, Raoul Rossmann und einer Stiftung. Die Stadt trägt die übrigen 3,68 Mio. Euro, also gut die Hälfte. Läuft das Werk jeden Abend zwei Stunden, sind das 730 Stunden im Jahr (365 Tage mal 2 Stunden). Der städtische Anteil entspricht dann rund 5.000 Euro je Stunde des ersten Jahres (3,68 Mio. Euro geteilt durch 730).
Neben dem Kunstwerk, das mit 5,25 Mio. Euro zu Buche schlägt, kostet der Umbau des Museums 0,95 Mio. Euro. Nötig sind unter anderem ein zweiter Rettungsweg über eine neue Brücke, neue Leitungen für das Regenwasser vom Dach und womöglich eine Baumfällung. Laut Vorlage sind die Maßnahmen umfangreicher als zunächst geplant. Die Verwaltung nennt das Projekt von hoher Bedeutsamkeit und begründet damit den städtischen Anteil. Fertig sein soll der Skyspace 2028.
Kritik
Die Stadt gibt mehr Geld dazu, als alle privaten Geber zusammen tragen, und das für ein Werk, das täglich nur wenige Dämmerungsminuten wirkt. Dazu kommen Umbauten am Museum, die erst durch das Dach nötig werden. Hannover hätte den eigenen Anteil auf das begrenzen müssen, was ohnehin am Gebäude zu tun ist, und die Kunst den Spendern überlassen. Wer bei 7,13 Mio. Euro noch 930.000 Euro Puffer einplant, sollte zumindest klar festlegen, dass nicht benötigtes Geld in die Stadtkasse zurückfließt.
1045/2026: Sprengel Museum Hannover, Lichtinstallation auf dem Skulpturenhof, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 22. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.