250.000 Euro für bunten Platzboden
Die Stadt Hannover zahlt am Raschplatz hinter dem Hauptbahnhof 250.000 Euro für Bodenfarbe, obwohl der Platz 2028 umgebaut wird
Was ist passiert?
Der Raschplatz liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof und wird von den meisten Menschen nur durchquert. Wohnungslose und suchterkrankte Personen halten sich dort täglich auf, viele suchen den Kontaktladen Mecki und andere soziale Einrichtungen auf. Das Sicherheitsgefühl gilt als besonders gering. Die Stadt will das mit Kunst ändern.
Geplant sind eine Halfpipe der Künstlerin Florentina Holzinger, gestützt von alten Schrottautos, und ein rund 4.000 Quadratmeter großes Bodenkunstwerk, das ein Graffiti-Festival-Team mit weiteren Künstlern gestalten soll. Ein Teil der Fläche entsteht gemeinsam mit Menschen, die den Platz täglich nutzen. Die Halfpipe finanziert die Sparkasse Hannover mit einer Spende von 150.000 Euro, dazu kommen je 50.000 Euro für 2027 und 2028 für die Pflege. Das Bodenkunstwerk dagegen bezahlt die Stadt selbst: 250.000 Euro aus dem Budget des Fachbereichs 42. Das sind 62,50 Euro je Quadratmeter (250.000 Euro geteilt durch 4.000). Fallen dadurch andere geplante Investitionen des Fachbereichs aus, soll die Stadt bis zu 250.000 Euro gesamtstädtisch nachschießen.
Weitere 60.000 Euro für die Beteiligung der Platznutzer und bis zu 50.000 Euro für den Transport der Halfpipe von der Sophienstraße zum Raschplatz sollen erst noch private Spender aufbringen. Das sind zusammen 110.000 Euro, für die es laut Vorlage bisher nur Gespräche gibt.
Die Verwaltung erwartet, dass Belebung, sichtbare Nutzer und eine „wertige Gestaltung“ das subjektive Sicherheitsgefühl heben. Als Erfahrungswert dient ein Workshop von 2025 am Andreas-Hermes-Platz: Fünf Menschen aus der wohnungslosen Szene gestalteten fünf Tage lang einen Container, was nach Darstellung der Vorlage „sinnstiftende Momente“ schuf. Dass die Maßnahme nur eine Zwischenlösung ist, räumt die Vorlage selbst ein, denn der Platz soll 2028 ohnehin umgebaut werden. Die Ratsversammlung stimmte mit 45 Ja-Stimmen bei 4 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen zu.
Kritik
Wer ein Sicherheitsproblem an einem Bahnhofsplatz lösen will, sollte nicht 250.000 Euro in eine Fläche stecken, die nur bis zum geplanten Umbau 2028 Bestand haben soll. Die Hoffnung, dass Farbe auf dem Boden Menschen verantwortungsbewusster und den Platz sicherer macht, stützt sich auf einen einzigen Workshop mit fünf Teilnehmern. Der Sparkasse wird für Halfpipe und Pflege gedankt, doch das Kunstwerk selbst geht zulasten des städtischen Haushalts, und andere Investitionen des Fachbereichs könnten dafür zurückstehen. Sinnvoller wäre es gewesen, zuerst die Wirkung im Kleinen zu erproben und das Geld in dauerhafte soziale Arbeit am Platz zu lenken, die auch nach 2028 noch wirkt.
0572/2026: Raschplatz Kunst, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 11. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.