Erst das Flutlicht, dann der Strom
Zu den 4,3 Mio. Euro für das Frankenstadion kommen 985.000 Euro hinzu, ein Aufschlag von fast einem Viertel.
Was ist passiert?
Das Frankenstadion in Heilbronn ist ein Stadion für viele: Schulen treiben hier Sport, der VfR Heilbronn trainiert mit all seinen Jugendteams, die Leichtathleten der TSG drehen ihre Runden, und einmal im Jahr kommt der Firmenlauf. Ab der kommenden Saison zieht zusätzlich der SGV Heilbronn-Freiberg ein, dessen Profimannschaft in der Regionalliga Südwest spielt. Für mehr Tribünenplätze, eine Flutlichtanlage und eine Rasenheizung hatte die Stadt im März einen Kostenrahmen von 4,3 Mio. Euro bewilligt.
Im Juni kam die Ergänzung. Das neue Flutlicht braucht eine eigene Trafostation, weil die vorhandene Stromversorgung dafür nicht ausreicht. Überraschend kann das kaum gewesen sein, denn nach Angaben der Verwaltung hapert es im Stadion schon seit längerer Zeit mit dem Strom, bei Großveranstaltungen sogar bis zum Sicherheitsrisiko. Trafo, Leitungen und Verteiler kosten nun rund 605.000 Euro. Weitere rund 230.000 Euro sind für Raummodule mit Umkleiden und Sanitäranlagen vorgesehen, dazu für eine Geschäftsstelle mit Arbeitsplätzen für die Verwaltung des Profifußballs. 150.000 Euro fließen in Zäune und Absperrungen, die die Sicherheitsauflagen des Regionalligabetriebs verlangen.
Zusammen sind das 985.000 Euro, knapp 23 Prozent mehr als der ursprüngliche Rahmen (985.000 Euro geteilt durch 4,3 Mio. Euro). Die Ertüchtigung kostet damit rund 5,3 Mio. Euro. Fertig ist sie trotzdem nicht: Die Module sind ausdrücklich als Übergang gedacht, bis der Bedarf feststeht und womöglich ein Anbau an den Umkleidetrakt geplant wird. Ein Teil davon wird gemietet, die Miete zahlt der laufende Stadionbetrieb.
Was der SGV selbst beiträgt, ist offen. Über seine Miete wird auf Grundlage eines Marktgutachtens noch verhandelt, ein Rückfluss ist deshalb nicht eingeplant. Das Geld stammt aus Mitteln für Tiefbau im Sanierungsgebiet Wollhausplatz, die 2026 nicht mehr abfließen. Am 27. Juli 2026 stimmte der Gemeinderat bei nur einer Gegenstimme zu.
Kritik
Wer eine Flutlichtanlage bestellt, muss vorher klären, ob der Strom dafür reicht, zumal die Mängel seit Jahren bekannt waren. Statt die Kosten scheibchenweise nachzureichen, hätte die Stadt das Gesamtpaket erst nach vollständiger Planung beschließen sollen. Vor allem aber hätte sie keine Geschäftsstelle für einen Profiverein bezahlen dürfen, bevor dessen Miete feststeht. Wer ein städtisches Stadion intensiver nutzt als alle anderen, muss die dafür nötigen Investitionen über eine kostendeckende Miete mittragen.
185/2026: Herstellung weiterer Infrastruktur zur Ertüchtigung des Frankenstadions Heilbronn, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 27. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.