Staatsbilanz

Stadt/Heilbronn/Kostensteigerung

Heilbronns neues Bad ist zu knapp gerechnet

Heilbronn plant Bad, Eishalle und Brücke für 158,4 Mio. Euro, doch rund 25 Mio. Euro mehr drohen, falls Steuervorteil und Landeszuschuss ausbleiben

Was ist passiert?

Zwischen Innenstadt und Neckarufer stehen in Heilbronn drei Sportstätten: das Freizeitbad Soleo aus dem Jahr 1971, die Eishalle und die Rollsporthalle. Alle drei erreichen laut Stadt spätestens Mitte der 2030er Jahre das Ende ihrer Lebensdauer. Ihr Gelände ist zudem anderweitig verplant, denn der Bildungscampus soll wieder näher an die Innenstadt heranrücken. Deshalb sollen die Sportstätten weichen und an anderer Stelle neu entstehen.

Am 27. Juli 2026 legte der Gemeinderat bei neun Gegenstimmen die neuen Standorte fest. Die Verwaltung beziffert das Paket auf 158,4 Mio. Euro. Davon entfallen 88,5 Mio. Euro auf ein Kombibad an der Neckarhalde samt Parkhaus und Freibadsanierung, 52,4 Mio. Euro auf die Eishalle, 6 Mio. Euro auf die Rollsporthalle, 11 Mio. Euro auf einen Steg über den Neckar und 0,5 Mio. Euro auf ein Pumpwerk. Was in der Summe untergeht: Das Bad ist netto gerechnet, die Hallen sind brutto veranschlagt. Die Stadt geht davon aus, beim Kombibad die Vorsteuer abziehen zu können. Geklärt ist das nicht. Fällt der Abzug weg, kommen beim Regelsatz von 19 Prozent rund 16,8 Mio. Euro hinzu (88,5 Mio. x 0,19).

Auch der Steg ruht auf einer Hoffnung. Er wird unter anderem gebraucht, weil am neuen Badstandort Busse und Autos getrennt werden sollen. Eingeplant ist eine Landesförderung von 75 Prozent, also 8,25 Mio. Euro. Nur mit diesem Zuschuss trägt die Stadt lediglich 2,75 Mio. Euro. Ohne ihn zahlt sie das Vierfache. Bei der Eishalle wird zudem eine Arena nach den Standards der Deutschen Eishockey Liga geprüft, im Budget steht sie aber noch nicht.

Bemerkenswert ist, wie die Stadt die Lage ihrer Bäder selbst beschreibt. Die Besucherzahlen seien deutlich gesunken, seit 2019 fehle Fachpersonal, und schon heute gebe es Überkapazitäten. Die Sanierung des Freibads Gesundbrunnen für rund 16 Mio. Euro erscheint ihr deshalb kaum vertretbar. Für den Neubau steht trotzdem auch ein Freizeitbad nach Art des heutigen Soleo zur Auswahl.

Kritik

Wer über 158,4 Mio. Euro entscheidet, sollte wissen, ob er netto oder brutto rechnet. Heilbronn hat die Standorte festgezurrt, bevor feststeht, ob das Finanzamt beim Bad mitspielt und ob das Land den Steg bezuschusst. Zusammen hängen an diesen beiden Annahmen rund 25 Mio. Euro. Eine Stadt, die selbst von sinkenden Besucherzahlen und fehlendem Personal berichtet, hätte zuerst die schlankste tragfähige Badvariante festlegen und eine ehrliche Bruttosumme vorlegen müssen.

126/2026: Grundsatzentscheidung Bildungscampus Süd: Standortfestlegung für die Neubauten Soleo, Eishalle und Rollsporthalle, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 27. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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