Teure Blumenkübel als Autosperre in Heilbronn
Heilbronn kauft für 840.000 Euro Blumenkübel, die Feste vor Autos schützen sollen, und zahlt bis zu 200.000 Euro Pflege im Jahr
Was ist passiert?
Wenn in Heilbronn Pferdemarkt, Lichterfest, Weindorf oder Weihnachtsmarkt anstehen, drängen sich Tausende Menschen in der Innenstadt. Seit den Überfahrtaten von Magdeburg, München und Mannheim will die Stadt solche Feste gegen Fahrzeuge absichern. Eigene zertifizierte Sperren besaß sie bislang nicht. Die vorhandenen Poller halten nur Abkürzungsfahrer auf, und auch die früher aufgestellten Betonklötze und Schaustellerfahrzeuge genügten den technischen Regeln nicht. 2025 mietete deshalb die Heilbronn Marketing GmbH (HMG) mobile Sperren an.
Am 26.2.2026 beschloss der Gemeinderat bei einer Enthaltung, die Neckarmeile vom Götzenturm bis zum Bollwerksturm dauerhaft zu schützen. Die Schätzung nach Listenpreisen: 600.000 Euro für Entnahmepoller, 950.000 Euro für mobile Sperren und 840.000 Euro für Pflanzkübel, zusammen rund 2,39 Mio. Euro. Ebenfalls beschlossen wurde der Bereich Marktplatz/Lohtorstraße, für den die Vorlage keine Zahl nennt.
Bemerkenswert ist vor allem die Finanzierung der Kübel. Das Geld stammt aus Grünprojekten, die liegen geblieben sind, weil im Grünflächenamt Stellen unbesetzt sind und Mitarbeiter dauerhaft fehlen. Ausgerechnet dieses Amt soll die Kübel künftig bepflanzen und pflegen, nach eigener erster Schätzung für 150.000 bis 200.000 Euro im Jahr. Am oberen Ende hätte die Pflege nach gut vier Jahren so viel gekostet wie die Kübel selbst (840.000 geteilt durch 200.000 ergibt 4,2). Die Verwaltung spricht dennoch von den „vielen Vorteilen“ der Kübel. Welche das sind, lässt sie offen.
Auch die HMG muss improvisieren. Ihre 950.000 Euro stehen nicht im Wirtschaftsplan 2026. Bezahlt werden soll aus Restmitteln des Vorjahres und, falls die nicht reichen, aus der Liquiditätsreserve. Als Begründung für den Kauf verweist die Vorlage auf die Mietkosten des Vorjahres, ohne sie zu beziffern.
Kritik
Dass eine Stadt ihre großen Feste gegen Überfahrtaten schützt, ist nachvollziehbar. Wer dafür aber ausgerechnet Kübel wählt, die jedes Jahr bis zu einem Viertel ihres Kaufpreises an Pflege verschlingen, kauft sich eine Dauerlast ein. Diese Last bezahlt er dann auch noch mit Geld aus Grünprojekten und lädt sie einem Amt auf, dem schon heute das Personal fehlt. Vor dem Beschluss hätten die Folgekosten gegen Sperren ohne laufende Pflege abgewogen werden müssen, und eine Investition von fast einer Million Euro gehört in den Wirtschaftsplan statt in die Reserve.
052/2026: Umsetzung von Zufahrtsschutzmaßnahmen, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 26. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.