Staatsbilanz

Stadt/Ingolstadt/Folgekosten

185.000 Euro im Jahr für neuen Amtschef

Ingolstadt schafft eine Leitungsstelle für Umwelt, obwohl es die für Wirtschaft aus Geldnot strich; 43.000 Euro jährlich bleiben ungedeckt

Was ist passiert?

Ingolstadt hat wie viele Städte einen Stadtrat mit hauptamtlichen Referenten an der Spitze der Verwaltungsbereiche. Seit 2020 gehörte dazu auch ein Referat für Wirtschaft. Weil die Stadt unter hohen finanziellen Belastungen steht, beschloss der Stadtrat am 30.10.2025, die Wirtschaftsaufgaben ab September 2026 der städtischen Gesellschaft IFG zu übertragen und das Referat aufzulösen.

Nur gut ein halbes Jahr später kam das Gegenstück. Am 13.05.2026 beschloss der Stadtrat gegen 17 Stimmen, zum 01.09.2026 ein neues Referat VIII für Umwelt, Nachhaltigkeit und Transformation zu gründen. Es soll das Umweltamt, das Forstamt und eine Stabsstelle für Klima, Biodiversität und Donau umfassen. Die Stelle des Referenten soll öffentlich ausgeschrieben werden. Aus dem alten Wirtschaftsreferat wird laut Vorlage allein die Referentenstelle weiter gebraucht. Das Referatsbüro soll die Stabsstelle ohne zusätzliches Personal übernehmen, fünf bisher vorgesehene Planstellen mit zusammen 4,5 Vollzeitstellen sollen unbesetzt bleiben.

Trotzdem beziffert die Verwaltung die Mehrkosten auf 185.000 Euro jährlich, das sind rund 15.400 Euro im Monat. In der Personalkostenplanung ab 2027 sind sie nicht enthalten. Die Verwaltung spricht von „höchstmöglicher Kostenneutralität“. Als Ausgleich nennt sie die Umstellung des dritten Bürgermeisters auf ein Ehrenamt, die 142.000 Euro im Jahr spart. Der Oberbürgermeister nannte im Stadtrat sogar 144.000 Euro. Das deckt rund 77 Prozent der Kosten (142.000 geteilt durch 185.000). Es bleiben 43.000 Euro (185.000 minus 142.000) oder, nach der mündlichen Zahl, 41.000 Euro. Sie sollen durch „weitere Einsparungen im Personalbereich“ aufgefangen werden, die nicht näher beschrieben sind. Die Ersparnis beim Bürgermeisteramt gehört zudem zu einer ganz anderen Entscheidung und hat mit dem Umweltreferat nichts zu tun.

Im Stadtrat hielten Kritiker dagegen, die Stadt stehe finanziell „mit dem Rücken zur Wand“ und das Wirtschaftsreferat sei erst aus Kostengründen abgeschafft worden. Zudem habe der zweite Bürgermeister die Expertise für den Umweltbereich. Befürworter hoffen auf eingeworbene Fördermittel von Bund, Land oder EU, nannten dafür aber keine Summe.

Kritik

Wer ein Referat aus Spargründen auflöst und im selben Jahr ein neues gründet, macht seine Sparbemühungen unglaubwürdig. Von Kostenneutralität kann keine Rede sein, wenn von 185.000 Euro im Jahr nur 142.000 Euro gegengerechnet sind und der Rest auf unbenannte Einsparungen hoffen muss. Fördermittel sind ein Versprechen, keine Deckung. Die Stadt hätte die Aufgaben in den bestehenden Strukturen bündeln und die Umweltthemen bei einem Bürgermeister verankern können, ohne eine dauerhafte Referentenstelle zu schaffen.

V0220/26: Neugründung eines Referats VIII - Umwelt, Nachhaltigkeit und Transformation, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 13. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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