2,6 Millionen Euro Zuschuss fürs Schulessen
In Ingolstadt zahlt die Stadt bei 750.000 Essen für Kitas und Schulen 3,50 Euro pro Essen drauf, auch nach Preiserhöhung bleiben 2,60 Euro
Was ist passiert?
Ingolstadt betreibt eigene Kitas, Mittagsbetreuungen und Ganztagsangebote an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Dort werden jährlich rund 750.000 Mittagessen ausgegeben. Die Hauptkomponenten liefern drei Firmen tiefgekühlt, in den Schulküchen werden sie aufgewärmt und mit Salat, Rohkost und Obst ergänzt. Vorgegeben sind insgesamt 60 Prozent Bioanteil, bei Fleisch und tierischen Produkten sogar 100 Prozent.
Die Eltern zahlen seit September 2024 4,00 Euro je Essen. Das entspricht genau dem, was allein der Einkauf der Lebensmittel 2025 im Schnitt kostete. Das Personal kommt obendrauf. Die Verwaltung nennt als nahezu kostendeckenden Preis mindestens 7,50 Euro, und zwar noch ohne Energie, Reinigung und Investitionen. Bei 3,50 Euro Defizit je Essen ergibt das 750.000 × 3,50 Euro = 2.625.000 Euro im Jahr.
Deshalb sollen die Entgelte ab September 2026 auf 5,00 Euro steigen, ab Klasse 5 auf 5,50 Euro. Die Krippe bleibt bei 4,00 Euro. Nach Abzug von zehn Prozent für Gebührenübernahmen bringt das 2027 etwa 689.890 Euro mehr. Das Defizit sinkt damit auf 1.935.110 Euro, also auf knapp 2,60 Euro je Essen (1.935.110 Euro geteilt durch 750.000). Fast drei Viertel des Zuschusses bleiben bestehen.
Die Verwaltung verweist auf bewusst hohe Qualitätsstandards und ein elternfreundliches System, in dem man das Kind tagesaktuell abmelden kann und nur bestellte Essen zahlt. Bei der Vergabe 2023 zählte die Qualität 70 Prozent, die Wirtschaftlichkeit 30 Prozent. Die Verträge laufen bis 31.08.2027. Die Kämmerei merkte an, den 7,50 Euro liege noch keine belastbare Kalkulation zugrunde. Ein Stadtrat verwies darauf, dass freie Träger 88 bis 92 Euro im Monat verlangen und kostendeckend arbeiten. Der Ausschuss für Kultur und Bildung schickte die Vorlage am 10.06.2026 zurück in die Fraktionen. Wie der Stadtrat danach entschied, ist offen.
Kritik
Wer bei der Vergabe die Qualität mit 70 Prozent und den Preis nur mit 30 Prozent gewichtet, muss wissen, dass am Ende der städtische Haushalt zahlt. Ein Zuschuss von 3,50 Euro je Essen, der auch nach der Gebührenerhöhung bei fast 2,60 Euro bleibt, ist für eine Stadt, die sich zur Konsolidierung gezwungen sieht, nicht zu rechtfertigen. Vor der Ausschreibung 2023 hätte man Kosten, Bio-Quote und Preis gegeneinander abwägen und ein günstigeres Modell prüfen müssen. Die Eltern sollten nicht für Vergabeentscheidungen einstehen, deren Folgekosten die Stadt nicht im Blick hatte.
V0175/26: Änderung der Gebührensatzung für den Besuch einer Kindertageseinrichtung und Änderung der Gebührensatzung der Mittags- und Randbetreuung an Ingolstädter Grundschulen zur Erhöhung der Verpflegungsentgelte, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 19. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.