5,4 Millionen für ein Theater ohne Bau
Ingolstadt stoppte die Sanierung des Stadttheaters, doch allein die Planung kostet nun bis zu 5,4 statt der vorgesehenen 3,0 Millionen Euro
Was ist passiert?
Das Stadttheater in Ingolstadt soll saniert werden. Dafür ist die städtische Gesellschaft INKoBau zuständig, eine GmbH & Co. KG, die kommunale Bauten errichtet und verwaltet. Während der Sanierung soll das Theater in einer Interimsspielstätte im Glacis spielen, einem Holz-Modulbau.
Der Stadtrat beauftragte die INKoBau 2022 mit den Planungen bis zur Leistungsphase 2 und setzte dafür 3,0 Mio. Euro an. Am 29. Juli 2025 erteilte er die Projektgenehmigung und gab weitere 11,0 Mio. Euro für die Leistungsphasen 3 und 4 frei. Wenige Monate später war Schluss: Im Oktober 2025 stoppte die Stadt das Projekt wegen der Haushaltslage. Die bereits vergebenen Leistungen laufen trotzdem weiter. Allein dafür schätzte die INKoBau noch 2,2 Mio. Euro Bedarf, die Endabrechnungen der Auftragnehmer lagen im Juni 2026 noch nicht vollständig vor. Die Geschäftsführung rechnet für die Planung über alle Leistungsphasen nun mit bis zu 5,4 Mio. Euro. Das sind 2,4 Mio. Euro oder 80 Prozent mehr als das ursprüngliche Budget (5,4 minus 3,0). Für ein Gebäude, das nie gebaut wurde, ist das viel: Die Planung kostet damit drei Viertel dessen, was die Interimsspielstätte insgesamt kostet (5,4 geteilt durch 7,2 Mio. Euro).
Auch die Ausweichbühne selbst wurde teurer. Der Stadtrat hatte die Projektsumme im Oktober 2025 auf 7,2 Mio. Euro fortgeschrieben. Doch für die Übergabe fehlte noch der Brandschutznachweis 2, der erst im Februar 2026 vorlag. Der Regelbetrieb lief da schon seit November 2025. Hinzu kamen Unterhaltskosten bis zur Übergabe. Das ergab Mehrkosten von rund 500.000 Euro, für 461.461 Euro davon gab es im Haushalt keinen Ansatz. Bezahlt werden sollen sie aus Geld, das die Stadt der INKoBau für gestoppte Projekte eingelegt hatte. Die Kämmerei merkte an, dass solche nicht rechtzeitig angemeldeten Mehrausgaben die Haushaltssicherung erschweren, besonders bei freiwilligen Aufgaben wie dem Theater.
Kritik
Die Stadt gab im Sommer 2025 11,0 Mio. Euro für weitere Planungsphasen frei und stoppte das Projekt kurz darauf wegen der Haushaltslage. Wer so knapp kalkuliert, hätte vor der Freigabe prüfen müssen, ob die Sanierung überhaupt bezahlbar ist. Dann wären die 5,4 Mio. Euro Planungskosten für ein ungebautes Theater vermeidbar gewesen. Bei der Interimsbühne wiederum fehlte jeder Puffer für den Brandschutznachweis, den jeder Spielbetrieb braucht. Dass 461.461 Euro ohne Haushaltsansatz nachgeschoben werden müssen, zeigt eine Planung, die offenkundig zu optimistisch war.
V0001/26: Ingolstädter Kommunalbauten GmbH Co. KG:, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 24. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.