5 Millionen statt 200.000 Euro für Altbauten
Ingolstadt musste 2025 seiner städtischen Baufirma 5 Millionen Euro geben, geplant waren 200.000 Euro für die Sanierung alter Gebäude und des Theaters
Was ist passiert?
Ingolstadt lässt seine großen Bauprojekte nicht im Rathaus abwickeln, sondern von einer städtischen Tochter, der INKoBau Ingolstädter Kommunalbauten GmbH & Co. KG. Sie baut und saniert unter anderem das Georgianum, das Kavalier Dalwigk und das Theater am Glacis. Die Stadt ist die einzige Kommanditistin und springt ein, wenn das Geld nicht reicht.
Das Jahr 2025 zeigt, wie weit Plan und Wirklichkeit auseinanderlagen. Eingeplant war eine Kapitaleinlage der Stadt von 200.000 Euro. Tatsächlich flossen 5 Mio. Euro, also das 25-Fache (5.000 : 200 Tausend Euro). Der gesamte Mittelbedarf lag bei 6,57 Mio. Euro, veranschlagt waren 0,88 Mio. Euro. Der Jahresfehlbetrag belief sich auf 1,57 Mio. Euro statt der erwarteten 1,05 Mio. Euro. Das entspricht rund 4.300 Euro Verlust an jedem Tag des Jahres (1.572.369 Euro : 365).
Beim Georgianum sollen die Gesamtkosten auf rund 22,3 Mio. Euro steigen. Als Gründe nennt die Vorlage das Ausscheiden der Architektur- und HLS-Planer, die dadurch verlängerte Bauzeit und Mehrkosten für den Brandschutz in Gastronomie und Veranstaltungssaal. Warum die Planer ausschieden, bleibt offen. Allein 2025 wurden 3,16 Mio. Euro statt der geplanten 2,87 Mio. Euro verbaut, während die Fördermittel mit 1,82 Mio. Euro um rund 0,6 Mio. Euro hinter den erwarteten 2,42 Mio. Euro zurückblieben.
Beim Kavalier Dalwigk summieren sich die Gesamtkosten auf rund 62,2 Mio. Euro. Verwiesen wird auf den Brandschaden am Bauteil D, die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs sowie nicht abwendbare Nachträge. Im Jahr 2025 kamen noch einmal ungeplante 805.000 Euro dazu, denen nur teilweise Versicherungsleistungen gegenüberstehen.
Vom Fehlbetrag entfallen 461.000 Euro auf Mehrkosten beim Theater am Glacis, die erst 2026 gegenüber der Stadt geltend gemacht wurden. Der Aufsichtsrat nahm die Baukostenerhöhungen zur Kenntnis, beauftragte aber keine weitergehende Prüfung und erhob keine Einwände gegen die Entlastung der Geschäftsführung. Der Stadtrat soll am 29. Juli 2026 über die Abschlüsse entscheiden.
Kritik
Wer eine Einlage von 0,2 Mio. Euro plant und 5 Mio. Euro braucht, hat die Risiken der Projekte nicht ernsthaft in den Plan geschrieben. Wenn Planer mitten im Bau ausscheiden und der Brandschutz erst spät zum Kostentreiber wird, fehlte es an Vorsorge und an Kontrolle des Projektablaufs. Der Aufsichtsrat hätte bei drei Projekten mit Kostensteigerungen genauer hinschauen müssen, statt sie nur zur Kenntnis zu nehmen. Mehrkosten gehören zeitnah offengelegt und nicht erst im Folgejahr gegenüber der Stadt geltend gemacht.
V0375/26: Ingolstädter Kommunalbauten Verwaltungs GmbH und, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 29. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.