Kinderhaus Ingolstadt: 390.000 Euro Minus
Das Kinder- und Jugendhaus der Ingolstädter Waisenhausstiftung macht 390.050 statt geplanter 79.400 Euro Verlust, den die Stiftung zahlen muss
Was ist passiert?
Die Waisenhausstiftung Ingolstadt besteht seit 1617 und wird von der Stadt verwaltet. Sie trägt das Peter-Steuart-Haus, eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mit Wohngruppen, Hort, Krippe und ambulanten Hilfen. Laut Stadtratsbeschluss muss die Stiftung Gewinne und Verluste des Hauses ausgleichen.
Für 2025 heißt das: 390.049,73 Euro. Im Vorjahr waren es 236.883,59 Euro. Im Plan standen nur 79.400 Euro, das Defizit fiel also fast fünfmal so hoch aus (390.049,73 : 79.400 = 4,9). Umgerechnet fehlten dem Haus rund 1.070 Euro pro Tag (390.049,73 : 365).
Dabei lief der Betrieb voll. Die stationären Wohngruppen waren zu 97,06 Prozent belegt, die Erlöse daraus stiegen um 9,93 Prozent auf gut 3 Mio. Euro. Trotzdem wuchsen die Personalkosten um 294.986,29 Euro (6,25 Prozent), unter anderem wegen der Tariferhöhung und kürzerer Stufenlaufzeiten. Die ambulanten Hilfen verloren 8,47 Prozent ihrer Erlöse, weil Anfragen zurückgingen und die Stundensätze erst zum Jahresbeginn 2026 angepasst wurden. Die zentralen Dienstleistungen der Stadt verteuerten sich um 29,42 Prozent auf 194.599,32 Euro, auch wegen des neuen Zeiterfassungssystems Atoss.
Die Stiftung selbst kann das kaum auffangen. Ihre Einnahmen aus Mieten, Pachten, Nutzungsentgelten und Zinsen betrugen zusammen rund 120.175 Euro (56.526,27 + 20.760,00 + 42.888,65). Das Defizit war damit gut dreimal so groß (390.049,73 : 120.174,92 = 3,2). Zusätzlich schrieb die Stiftung 40.900,97 Euro Planungskosten für die Investition in der Maximilianstraße ab, weil sie nicht mehr umgesetzt wird. Der Stiftungsverlust stieg damit auf 398.849,26 Euro, nach 188.060,97 Euro im Vorjahr.
Die Verwaltung erklärt, die Kinder- und Jugendhilfe sei durch Gesetz und Finanzrahmen nicht auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt. Der Stadtrat soll die Abschlüsse und die Belastung des Grundstockvermögens zur Kenntnis nehmen.
Kritik
Ein Defizit, das fast fünfmal so hoch ausfällt wie geplant, ist kein Ausrutscher, sondern ein Planungsfehler. Tariferhöhungen, Stufenaufstiege und verspätet angepasste Entgelte sind bekannte Größen und hätten im Plan stehen müssen. Wer eine Stiftung zum dauerhaften Verlustausgleich verpflichtet, muss ihr Vermögen schützen und die Entgelte rechtzeitig nachverhandeln. Und 40.900,97 Euro für eine Planung, die nun im Papierkorb landet, zeigen, dass Investitionen erst nach einer tragfähigen Entscheidung geplant werden dürfen.
V0291/26: Jahresabschlüsse des Peter-Steuart-Hauses und der Waisenhausstiftung Ingolstadt für das, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 2. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.