Kita-Container: aus 2 Jahren werden 8
In Ingolstadt bleibt die Krippe in der Eisvogelstraße in gemieteten Containern, weitere 133.200 Euro kostet das bis 2027, geplant waren zwei Jahre
Was ist passiert?
Krippenplätze sind in vielen Stadtteilen knapp, und so greifen Städte gern zu schnellen Lösungen. In Ingolstadt entstand 2019 in der Eisvogelstraße 47 die dreigruppige Krippe „Schatztruhe“, untergebracht in angemieteten Containern auf gepachteten Grundstücken. Beschlossen wurde sie als „temporäre Einrichtung“, eingeplant war ein Betrieb von zwei Jahren.
Daraus ist ein Dauerzustand geworden. Schon 2021 und 2024 beschloss die Stadt, den Betrieb zu verlängern. Nun folgte die dritte Verlängerung: Bis zum 31. August 2027 soll die Krippe weiterlaufen, die Mietdauer der Container und die Pachtverträge werden entsprechend ausgedehnt. Der Ausschuss für Finanzen und Personal stimmte im Juni 2026 einstimmig zu. Bereitgestellt werden 44.400 Euro für 2026 und 88.800 Euro für 2027, zusammen 133.200 Euro. Auf das Kindergartenjahr 2026/2027 mit zwölf Monaten gerechnet, sind das 11.100 Euro im Monat (133.200 Euro geteilt durch 12) allein für Container und Grundstücke. Aus den geplanten zwei Jahren werden damit rechnerisch acht, also das Vierfache.
Der Grund liegt im Neubau: Die Stadt hatte eine viergruppige Kindertagesstätte am Fort Peyerl in der Ottonenstraße beschlossen, verzichtete dann aber darauf. Ohne den Neubau werden die Container „zur Bedarfsdeckung“ weiter gebraucht. Die Verwaltung stuft die Ausgabe als „zwingend und unabweisbar“ ein, damit sie auch während der vorläufigen Haushaltsführung fließen darf. Das klingt nach Notlage, ist aber eine Folge der eigenen Planung.
Dabei löst auch die Verlängerung das Problem nicht. Nach der Schließung im August 2027 fehlen im Stadtbezirk Südwesten laut Vorlage trotzdem 16 Krippenplätze, wenn 40 Prozent der Eltern einen Platz wollen. Im Kindergartenbereich werden bis 2029 zwischen 10 und 23 Plätze fehlen. Die Stadt setzt darauf, dass Kinder aus umliegenden Stadtgebieten unterkommen und 40 Plätze der Naturgruppen die Lücke abmildern. Ab 2027/2028 soll es dann auch ohne Container gehen.
Kritik
Ein Provisorium, das nach acht Jahren immer noch gebraucht wird, ist keines mehr, und wer so lange Container mietet, zahlt für eine Dauerlösung den Preis einer Übergangslösung. Die Stadt hat den Neubau am Fort Peyerl aufgegeben, ohne zuvor dafür zu sorgen, dass der Bedarf anders gedeckt ist. So bleibt ihr nur, immer wieder um ein Jahr zu verlängern und 133.200 Euro für ein weiteres Jahr zu zahlen. Zudem bleiben selbst nach dem Ende der Container Plätze unversorgt. Die Stadt hätte früh entscheiden müssen, ob sie dauerhaft Plätze schafft, und das Provisorium nicht von Jahr zu Jahr verlängern dürfen.
V0174/26: Verlängerung des Betriebs der dreigruppigen Krippe „Schatztruhe“ bis 31.08.2027, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 19. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.