Staatsbilanz

Stadt/Ingolstadt/Fehlplanung

Lärmschutz-Straße zerbröselt nach 14 Jahren

Ingolstadt muss die Südliche Ringstraße für 1,34 Millionen Euro neu bauen, weil der leise Asphalt zerfällt, und nimmt dafür einen Kredit auf

Was ist passiert?

Die Südliche Ringstraße ist als Teil der Bundesstraße 13 eine der Hauptverkehrsadern der Stadt und hat überregionale Bedeutung. Wer dort bei Eishockeyspielen oder Konzerten in der Saturnarena unterwegs ist, kennt den dichten Verkehr.

Ab 2010 legte die Stadt im Rahmen des Konjunkturpakets II ein Lärmsanierungsprogramm auf. Rund 42 Kilometer Hauptverkehrsstraßen erhielten einen lärmmindernden Sonderasphalt. Heute zeigt sich die Kehrseite. Bei einem Großteil dieser Straßen ist die prognostizierte Lebensdauer überschritten, es gibt großflächige Kornverluste. Auf der Südlichen Ringstraße ist das Bitumen laut Verwaltung so spröde, dass sich die Auflösung nicht mehr stoppen lässt. Am Knotenpunkt mit der Manchinger Straße, 2012 hergestellt, bildeten sich schon nach wenigen Jahren erste Risse. Seit zwei Jahren löst sich der Belag dort zunehmend auf, Bohrkerne belegen Risse bis hinunter zur Tragschicht.

Nun soll die Straße erneuert werden, dazu eine Geh- und Radwegunterführung aus dem Jahr 1964. Veranschlagt sind 1,05 Mio. Euro für die Fahrbahn und 290.000 Euro für das Bauwerk, zusammen 1,34 Mio. Euro. Weil Haushaltsreste fehlen und die Stadt in der vorläufigen Haushaltsführung steckt, soll ein Investitionskredit aufgenommen werden, den die Regierung von Oberbayern genehmigen muss. Von den 1,5 Mio. Euro, die für lärmmindernde Beläge im Haushalt 2026 angemeldet sind, würde dieses eine Vorhaben damit rund 89 Prozent verschlingen (1,34 Mio. geteilt durch 1,5 Mio.). Der Stadtrat genehmigte die Maßnahme am 26. März 2026 einstimmig.

Eine Verschiebung des Abschnitts zwischen Weningstraße und Münchener Straße hätte heuer rund 470.000 Euro gespart. Später wären dafür etwa 654.000 Euro fällig, gut 39 Prozent mehr (184.000 Euro Aufschlag auf 470.000 Euro). Dies hält die Verwaltung für unwirtschaftlich. Der Baureferent räumte ein, bei allen Straßen mit dieser Bauweise könnten ähnliche Schäden auftreten. Künftig soll eine langlebigere Regelbauweise mit gleicher Lärmminderung von etwa drei Dezibel zum Einsatz kommen.

Kritik

Die Stadt hat den Lärmschutz mit einem Belag erkauft, der nun auf Kredit ersetzt werden muss, und das auf einer Strecke, die erst mit der Zeit zum Sanierungsfall wurde. Die Schäden am Knotenpunkt von 2012 waren ein frühes Warnsignal, das ernster hätte genommen werden müssen, bevor Dutzende Kilometer denselben Aufbau bekamen. Der Fall an der Südlichen Ringstraße dürfte nicht der letzte sein, denn gleiche Schäden sind auf allen Straßen mit diesem Sonderasphalt zu erwarten. Die Stadt sollte rechtzeitig vorsorgen und prüfen, ob sich Kosten auf Dritte abwälzen lassen, statt die Rechnung allein dem Steuerzahler zu präsentieren.

V0105/26: Gesamterneuerung B 13 „Südliche Ringstraße“ von der Münchener Straße bis zur Manchinger Straße, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 12. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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