Neuer Trinkwasserbrunnen 1,5 Mio. teurer
In Ingolstadt kostet ein neuer Brunnen für Trinkwasser 5,9 statt 4,4 Millionen Euro, weil die Kosten 2021 zu niedrig geschätzt wurden
Was ist passiert?
Die Ingolstädter Kommunalbetriebe, eine Anstalt des öffentlichen Rechts der Stadt, gewinnen das Trinkwasser aus dem Grundwasser. Weil die Stadt wächst, genügt die seit 2002 erlaubte Entnahme von 10 Mio. Kubikmetern im Jahr nicht mehr. Im Gerolfinger Eichenwald soll deshalb ein Horizontalbrunnen entstehen, der an das Wasserwerk IV angeschlossen wird und 3 Mio. Kubikmeter im Jahr liefern soll.
Im Juli 2021 genehmigte der Verwaltungsrat für das Vorhaben 4,445 Mio. Euro netto. Fünf Jahre später liegt die Rechnung bei 5,934 Mio. Euro. Das sind 1,489 Mio. Euro mehr, rechnerisch ein Plus von 33,5 Prozent (1,489 geteilt durch 4,445). Ende September 2026 stimmte das Gremium der Erhöhung einstimmig zu.
Die Vorlage räumt den Hauptgrund offen ein: Die Kosten für den Brunnen selbst, das Brunnengebäude und die Technik seien damals „zu niedrig angesetzt“ worden. Der Tabelle zufolge stieg der Posten für Brunnenbau, Gebäude, Technik und Anbindung von 1,24 Mio. auf 2,285 Mio. Euro, also um knapp 84 Prozent. Die 1,045 Mio. Euro Differenz machen gut 70 Prozent der gesamten Mehrkosten aus.
Hinzu kamen Verzögerungen bei Pumpversuch, Brunnenbau, Rodungsarbeiten, Naturschutzprüfungen und Grundwassermodell. Die Ausschreibung für die noch fehlenden Anlagenteile kann deshalb erst jetzt erfolgen. Außerdem wurde die Rohwasserleitung größer dimensioniert, von DN 300 auf DN 400, damit später bei Bedarf ein weiterer Brunnen angeschlossen werden könnte.
Die Kommunalbetriebe verweisen zudem auf die Baupreise: Die Projektkosten stiegen um 35 Prozent, der Baupreisindex für gewerbliche Betriebsgebäude im selben Zeitraum um 38,7 Prozent. Nach dieser Rechnung blieb das Projekt sogar hinter dem Markt zurück. Gedeckt werden sollen die Mehrkosten aus nicht verbrauchten Mitteln von 1,54 Mio. Euro, die aus dem Wirtschaftsjahr 2025/26 übertragen werden.
Kritik
Gut zwei Drittel der Mehrkosten gehen auf eine zu niedrige Kostenschätzung zurück, nicht auf den Markt, und der Brunnenbau samt Gebäude und Technik wurde fast doppelt so teuer wie genehmigt. Der Verweis auf den Baupreisindex erklärt die allgemeine Teuerung, nicht diesen Sprung. Die größere Leitung für einen Brunnen, der vielleicht nie kommt, ist eine Vorsorge, die getrennt beschlossen und ausgewiesen gehört, nicht in einem Projekt versteckt. Vor der Genehmigung hätten die Kosten belastbar ermittelt und mit einem Puffer für Verzögerungen versehen werden müssen.
V0574/26: Bauvorhaben: Neubau und Einbindung eines Horizontalbrunnens am Wasserwerk IV im Gerolfinger Eichenwald, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 29. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.