Staatsbilanz

Stadt/Ingolstadt/Fehlplanung

Schule mit offenem Dach für 2,9 Millionen

In Hundszell bei Ingolstadt gab die Stadt 2,9 Millionen Euro für den Umbau einer Schule aus, stoppte ihn dann, das Dach ist offen und niemand weiß, wofür das Haus gebraucht wird

Was ist passiert?

Hundszell ist ein Ortsteil von Ingolstadt mit einer Filialschule der Grundschule. Das Bestandsgebäude sollte saniert, durch einen Neubau ergänzt und auf vier Klassen erweitert werden. Dafür riss man den bestehenden Anbau ab und plante auch die Freianlagen neu. Die Stadt veranschlagte zunächst 8,737 Mio. Euro, die Übergabe sollte im ersten Quartal 2026 erfolgen. Baubeginn war im zweiten Quartal 2024.

Im Juli 2025 erhöhte der Stadtrat das Budget um 0,463 Mio. Euro auf 9,2 Mio. Euro. Der Grund waren zusätzliche Maßnahmen am Altbau: Decken mussten erneuert, Innenwände neu gegründet und Mauerwerkswände saniert werden. Ein Teil der Mehrkosten sollte durch den Verzicht auf eine zentrale Lüftungsanlage ausgeglichen werden. Rund drei Monate später, am 30. Oktober 2025, wurde das Projekt im Rahmen des Konsolidierungsprogramms Bauinvestitionen gestoppt. Bis dahin waren 2,915 Mio. Euro ausgegeben, knapp 32 Prozent des Budgets (2,915 geteilt durch 9,2).

Was bleibt, ist eine Baustelle im Wartestand. Am 4. November 2025 wurden alle Beteiligten per E-Mail informiert. Es laufen noch Restarbeiten, um Gebäude und Grundstück zu sichern: Das Dach hat bislang keine Eindeckung, eine neue Innentreppe wird eingebaut, ein Außenputz soll das Haus schützen. Wie es weitergeht, ist offen. Diskutiert werden eine Kita oder ein Verkauf. Der Übergabetermin ist im Bericht vorsorglich auf das zweite Quartal 2027 verschoben, also um fünf Quartale. Die Klassen der Filialschule sollen derweil in die Grundschule Haunwöhr wechseln. Dort wird geprüft, ob Multifunktionsräume zu Klassenzimmern umgerüstet werden können und ob der Brandschutz für mehr Personen reicht.

Die Stadt begründet den Stopp mit der angespannten Haushaltslage. Das mag stimmen. Doch wer im Sommer noch mehr Geld freigibt und im Herbst alles anhält, hat eher eine Kehrtwende vollzogen als gespart.

Kritik

Wer ein Projekt erst um 0,463 Mio. Euro aufstockt und es wenige Monate später mit einem unfertigen Dach anhält, hat entweder zu spät gerechnet oder zu früh entschieden. Rund 2,9 Mio. Euro stecken nun in einem Gebäude ohne beschlossene Nutzung. Vor dem Baustopp hätte die Stadt klären müssen, was aus dem teilsanierten Haus werden soll, statt das erst danach zu diskutieren. Ein Stopp ist nur dann Sparen, wenn das bereits Gebaute weiter nutzbar bleibt.

V0942/25: Bericht über die Ausführungs- und Kostenstände der laufenden Baumaßnahmen und über die, Ratsinformationssystem der Stadt Ingolstadt, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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