19 Jahre Planung, kein einziges Regal
Seit dem Beschluss von 2006 plant Karlsruhe einen Lebensmittelmarkt in Grünwettersbach, doch 19 Jahre später gibt es weder einen Vertrag noch einen Baubeginn.
Was ist passiert?
Grünwettersbach gehört zu den Karlsruher Höhenstadtteilen, die Bergdörfer genannt werden. 1997 schloss dort ein Spar-Markt, Ende 2001 folgte der Rewe-Markt. Im städtischen Nahversorgungsbericht 2022 landete der Stadtteil mit einem Versorgungsgrad von 15,1 Prozent auf Platz 25 von 27. Ein neuer Supermarkt neben der Wertstoffstation an der L623 sollte Abhilfe schaffen.
Den Grundsatzbeschluss fasste der Ortschaftsrat im September 2006. Die Stadt kaufte Grundstücke, ließ Studien erstellen und schrieb 2018 den Betrieb aus. Ihre Vorgabe war ein eingeschossiger Bau, in den Hang gegraben und mit geschützten Wiesen begrünt. Ein zusätzliches Stockwerk hatte die Verwaltung schon 2018 abgelehnt. Nur zwei Bewerber erfüllten die Bedingungen, und Edeka lag vorn. Im Juli 2023 zog die Wertstoffstation ins Gewerbegebiet Winterrot, das alte Gelände wurde geräumt. Der Platz war also frei.
Gebaut wurde trotzdem nichts. Im August 2024 reichte Edeka Pläne für ein zweigeschossiges Gebäude ein, das näher an die Wiesenstraße rücken soll. Nach Darstellung der Stadt darf sie das nicht genehmigen, ohne die alte Ausschreibung aufzuheben und neu auszuschreiben. Auch über die Hangsicherung und die Zufahrten zu den Nachbarwiesen herrscht keine Einigkeit. Einen Vertrag mit Edeka gibt es bis heute nicht, und einen Baubeginn kann die Verwaltung nicht abschätzen. Springt Edeka ab, darf der Zweitplatzierte nicht nachrücken. Das Verfahren begänne dann von vorn.
Unterdessen altern die Gutachten. Eine FFH-Verträglichkeitsuntersuchung aus dem Jahr 2009 war schon 2015 abgelaufen und musste erneuert werden. Die artenschutzrechtliche Untersuchung stammt von 2020. Bei der üblichen Gültigkeit von fünf Jahren ist sie seit 2025 fällig (2020 plus 5). Für die erneute Kartierung von Vögeln, Fledermäusen, Käfern und Reptilien veranschlagt die Verwaltung rund ein Jahr. Seit der Ausschreibung sind bis Oktober 2025 sieben Jahre vergangen, seit dem ersten Beschluss 19 Jahre.
Kritik
Wer eine Wertstoffstation verlegt und ein Grundstück räumt, sollte vorher einen unterschriebenen Vertrag mit dem Betreiber in der Hand haben. Die Stadt hat dagegen in Vorleistung investiert und steht nun mit einer leeren Fläche und verfallenden Gutachten da. Mit ihren eng gefassten Vorgaben hat sie den Bewerberkreis auf zwei Firmen schrumpfen lassen und sich damit von einem einzigen Partner abhängig gemacht. Statt das Verfahren weiter zu verschleppen, muss sie zügig entscheiden, ob sie sich mit Edeka einigt oder neu ausschreibt.
2025/1042: Lebensmittelmarkt in Grünwettersbach, vorhabenbezogener Bebauungsplan „Wiesenstraße 40" Interfraktioneller Antrag der Ortschaftsratsfraktionen Wettersbach, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 31. Oktober 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.