Karlsruhe kauft Gebäude, obwohl eigene leer stehen
Karlsruhe entgingen seit 2022 rund 1,6 Mio. Euro Miete für ein leeres Gebäude, doch 2024 kaufte sie Grundstücke 295.000 Euro über Marktwert
Was ist passiert?
Seit Ende 2020 verwaltet die Stadt Karlsruhe ihre Gewerbeimmobilien in einem eigenen Eigenbetrieb. Er soll Flächen für Industrie und Gewerbe bevorraten, sie also kaufen, vermieten und weiterentwickeln. Größter Brocken ist das ehemalige Pfizer-Areal im Stadtteil Hagsfeld, finanziert mit zwei Bankdarlehen über zusammen 139,7 Mio. Euro. Inzwischen stehen rund 150 Mio. Euro in der Bilanz, das Eigenkapital deckt davon gerade einmal 6,7 Prozent.
Mit dem Vermieten tut sich der Betrieb schwer. Auf dem Pfizer-Areal steht fast ein Viertel der Flächen leer. Allein Gebäude E bringt seit Oktober 2022 keinen Cent Miete, jeden Monat fehlen 60.000 Euro. Bis Ende 2024 summierte sich das auf rund 1,6 Mio. Euro (27 Monate mal 60.000 Euro). Im Jahr 2024 entgingen der Stadt in zwei Gebäuden zusammen etwa 850.000 Euro, beinahe so viel wie der gesamte Jahresüberschuss von 975.000 Euro.
Am Einkaufen änderte das nichts. 2024 erwarb die Stadt drei weitere Grundstücke in Grötzingen für 5,775 Mio. Euro und damit 295.000 Euro über dem Verkehrswert. Den Aufschlag verbuchte sie als städtisches Interesse. Eines der Gebäude, An der Rossweid 5, steht komplett leer. Von einem Wasserschaden in der Dachkonstruktion war in der Kaufvorlage keine Rede. Das erst 2023 erworbene Grundstück in der Wikingerstraße musste schon im Folgejahr um gut 1,5 Mio. Euro abgeschrieben werden.
Ein Gesamtkonzept für das bereits 2020 gekaufte Pfizer-Areal gibt es noch nicht, es soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 kommen. In Gebäude B wartet eine Asbestsanierung, deren Kosten niemand beziffern kann. Und 2030 wird das größte Darlehen fällig, das bislang mit 0,00 Prozent verzinst ist und Ende 2024 noch bei 78,9 Mio. Euro stand. Das Rechnungsprüfungsamt warnt vor Verlusten, für die am Ende die Stadt geradestehen müsste. Die Betriebsleitung sieht keine Risiken, die den Betrieb gefährden.
Kritik
Wer seit Oktober 2022 ein leeres Gebäude nicht vermietet bekommt, sollte nicht 2024 ein weiteres leeres Gebäude kaufen und dafür noch 295.000 Euro über dem Verkehrswert zahlen. Weitere Käufe hätten erst nach einer Strategie für den vorhandenen Bestand kommen dürfen. Ein Grundstück, das ein Jahr nach dem Kauf um 1,5 Mio. Euro abgewertet werden muss, spricht nicht für eine sorgfältige Prüfung vor dem Erwerb. Bevor 2030 die Nullzinsphase endet, muss die Stadt entscheiden, welche Flächen sie wirklich braucht, und den Rest verkaufen.
2026/0681: Eigenbetrieb Gewerbeflächen - Jahresabschluss zum 31.12.2024, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 24. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.