Karlsruher Freibad spart nur ein Drittel
Karlsruhe hält sein altes Freibad am Rhein trotzdem offen: Statt 402.245 Euro spart es nur 149.400 Euro, den Rest tragen andere städtische Bäder
Was ist passiert?
Das Rheinstrandbad Rappenwört liegt direkt am Rhein im Westen der Stadt. Es hat ein Wellenbecken, einen Sprungturm, ein Erlebnisbecken und ein weitläufiges Gelände und wird in drei Jahren 100 Jahre alt. Weil die Stadt sparen muss, schlug die Verwaltung vor, das Bad zeitweise zu schließen und so 902.245 Euro im Jahr zu sparen. Daraufhin gründete sich ein Förderverein. Im Dezember 2025 beschloss der Gemeinderat, das Bad 2026 und 2027 offen zu halten. Dafür gab es aber nur 500.000 Euro pro Jahr, und das unter einer Bedingung: Gemeinsam mit dem Förderverein sollte ein Konzept 402.245 Euro einsparen. Das Geld für 2027 wurde gesperrt, bis dieses Ziel erreicht ist.
Das Ziel rückte rasch in die Ferne. Der Förderverein hatte zunächst 100.000 Euro Erlöse aus Veranstaltungen angekündigt, obwohl die Verwaltung auf Auflagen des Naturschutzes hinwies. Später setzte er die Summe auf 10.000 Euro herab, also auf ein Zehntel. Auch die Badeaufsicht im nördlichen Teil mit Mehrzweck- und Kinderplanschbecken konnte er nicht stellen. Dieser Bereich bleibt deshalb hinter einem Zaun. Geöffnet wird nur von Pfingsten bis Ende August, donnerstags bis sonntags. Am Ende standen Einsparungen von 149.400 Euro auf dem Papier. Das ist gut ein Drittel der Vorgabe, es fehlen 252.845 Euro.
Am 28. April 2026 stimmte der Gemeinderat trotzdem einstimmig zu. Die Lücke taucht im städtischen Haushalt nicht auf. Stattdessen sollen das Europabad und das Fächerbad je zur Hälfte weniger Verlustausgleich erhalten. Reichen deren Ergebnisse nicht aus, soll das Eigenkapital der Gesellschaften einspringen, ausdrücklich als einmalige Lösung. „Dieses Defizit bleibt“, räumte die zuständige Bürgermeisterin ein. Unterm Strich kostet die verkürzte Saison rund 752.845 Euro (500.000 plus 252.845 Euro). Eine Stadträtin nannte Rappenwört das „mit Abstand teuerste Schwimmbad“, dessen Besucherzahlen seit Jahren fallen. Außerplanmäßige Reparaturen an der alten Anlage sind in dieser Rechnung nicht enthalten.
Kritik
Wer eine Sparvorgabe an eine Bedingung knüpft, muss sie auch durchsetzen, sobald sie verfehlt wird. Stattdessen verschiebt die Stadt das Defizit in die Bilanzen ihrer Bädergesellschaften, wo es weniger auffällt, aber genauso Steuergeld ist. Schon die Rechnung mit 100.000 Euro Eventerlösen hielt den Warnungen der eigenen Verwaltung kaum stand. Vor der nächsten Saison muss der Gemeinderat offen entscheiden, ob ihm das Bad diesen Preis wert ist, und darf das Loch nicht erneut umbuchen.
2026/0249/1: Betriebskonzept Rheinstrandbad Rappenwört Saison 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 16. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.