Staatsbilanz

Stadt/Karlsruhe/Kostensteigerung

Karlsruhe zahlt fast das Vierfache für Bewerbung

Karlsruhe gab 381.000 Euro für die Bewerbung um die Sportveranstaltung World Games 2029 aus, den Stadträten genannt waren nur 102.000 Euro

Was ist passiert?

Im April 2024 beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Bewerbung der Stadt um die Ausrichtung der World Games 2029 vorzubereiten. Im Doppelhaushalt 2024/2025 war dafür nichts eingeplant, denn die Idee kam erst nach dessen Aufstellung. In der Beschlussvorlage stand für 2024 deshalb nur ein einziger Kostenposten: die Kandidatengebühr von 100.000 Schweizer Franken, damals 102.199 Euro. Sie sollte durch Umschichtungen im zuständigen Dezernat bezahlt werden. Von weiteren Ausgaben im selben Jahr war keine Rede.

Am Jahresende standen 381.278 Euro in den Büchern, gut das 3,7-Fache des genannten Betrags (381.278 : 102.199). Die Gebühr selbst schlug mit 122.026 Euro zu Buche. Den größeren Teil verschlangen jedoch externe Helfer: 112.672 Euro für fachliche und 69.540 Euro für juristische Beratung, dazu 55.954 Euro für das Erstellen und Übersetzen des Bewerbungsbuchs. Zusammen sind das 238.166 Euro, fast doppelt so viel wie die Gebühr, auf die sich der Beschluss allein bezog.

Bezahlt wurde aus einem ganz anderen Topf. Die Stadt griff auf Mehrerlöse aus einmaligen Fördermitteln des Digitalpakts für das Administratorenprogramm beim Schul- und Sportamt zurück. Der Gemeinderat erfuhr davon erst, als das Geld längst ausgegeben war. Den Antrag auf Genehmigung stellte die Verwaltung am 11. Februar 2025 im Zuge des Jahresabschlusses. Laut ihrer Stellungnahme ist das üblich, die formale Beschlussfassung werde eben nachgeholt.

Die AfD-Fraktion fragte, wie das Budget fast um den Faktor vier überschritten werden konnte. Die Verwaltung antwortete knapp: Die Aufwendungen hielten sich im üblichen Rahmen und seien nötig gewesen, um die Bewerbung erfolgreich zu machen. Welcher Rahmen damit gemeint ist, blieb offen. Auch die Frage, wer bei Budgetüberschreitungen entscheidet, ließ sie unbeantwortet. Der Gemeinderat nahm die Antwort im April 2025 ohne eine einzige Wortmeldung zur Kenntnis.

Kritik

Wer dem Gemeinderat nur die Gebühr vorlegt und anschließend fast das Vierfache ausgibt, stellt die gewählten Vertreter vor vollendete Tatsachen. Dass Beratung und Bewerbungsbuch den Löwenanteil kosten würden, hätte vor dem Beschluss samt Kostenrahmen auf den Tisch gehört. Eine erfolgreiche Bewerbung ist kein Grund, sich die Zustimmung erst hinterher zu holen. Mehrerlöse aus dem Digitalpakt sind zudem kein Polster für sportliche Prestigeprojekte.

2025/0306: Überplanmäßige Aufwendungen für nicht eingeplante Aufwendungen für die World Games im Jahr 2024, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 31. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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