Karlsruhe zahlt Millionen für verlassene Ökofirma
Karlsruhes städtischer Energieversorger steckt bis zu 4,62 Mio. Euro in eine Ökoenergiefirma, aus der sich die Partner zurückziehen
Was ist passiert?
Die Badische Energie-Servicegesellschaft (BES) wurde 2016 von den Stadtwerken Karlsruhe und der Brauerei Hoepfner gegründet. Sie soll Wohnviertel, Gewerbe und einzelne Gebäude mit grüner Energie aus der Region versorgen, etwa mit Mieterstrom, Nahwärmenetzen und Kälteanlagen. Vom Stammkapital über 500.000 Euro hielten die Stadtwerke bislang 66 Prozent, Hoepfner 34 Prozent.
Nun will Hoepfner seinen Anteil auf 3,5 Prozent verringern. Eigentlich sollten die Stadtwerke Bretten, Bruchsal und Ettlingen je zehn Prozent übernehmen. Alle drei sagten ab, und zwar aus finanziellen Gründen. Deshalb springen die Stadtwerke Karlsruhe ein und kaufen die frei werdenden 30,5 Prozent für 152.500 Euro, also genau zum Nennwert. Ob die Anteile so viel wert sind, wurde nicht geprüft, denn eine Neubewertung der Gesellschaft gab es ausdrücklich nicht. Danach gehören den Stadtwerken 96,5 Prozent.
Der Kaufpreis ist allerdings nur das Eintrittsgeld. Anschließend sollen die Stadtwerke über drei Jahre verteilt bis zu 4,62 Mio. Euro in die Kapitalrücklage der BES einzahlen, im Schnitt rund 1,54 Mio. Euro pro Jahr. Das ist gut 30-mal so viel wie der Kaufpreis (4,62 Mio. Euro geteilt durch 152.500 Euro). Begründet wird die Zahlung mit dem Eigenkapital. Erst mit mehr eigenem Geld bekomme die BES Kredite von Banken und könne sich an Projektgesellschaften beteiligen, und das zehn Jahre nach ihrer Gründung. Hoepfner bleibt mit 3,5 Prozent beteiligt, das sind 17.500 Euro Stammkapital. Die Millionen für die Rücklage sollen dagegen von den Stadtwerken kommen.
Laut Vorlage wird die Stadt dadurch nicht belastet, weil die Zahlungen in der Bilanz der Stadtwerke nur den Wert der Beteiligung erhöhen. Das mag buchhalterisch stimmen. Das Geld der Stadtwerke bleibt trotzdem städtisches Geld. Für die Zukunft verspricht die Vorlage zusätzliche Erträge und Gewinne. Der Gemeinderat stimmte am 28. April 2026 mit 41 zu 4 Stimmen zu.
Kritik
Wenn ein privater Partner sich weitgehend zurückzieht und drei Nachbarstadtwerke aus Geldmangel absagen, ist das ein Warnsignal und kein Anlass, nahezu das ganze Unternehmen zu übernehmen. Die Stadtwerke kaufen ohne Bewertung und sagen Millionen für eine Firma zu, die nach zehn Jahren aus eigener Kraft keine Bankkredite erhält. Vor einer solchen Zusage hätte der Wert der Gesellschaft ermittelt werden müssen, und die Nachschüsse hätten an überprüfbare Projektziele gebunden gehören. Sonst trägt die öffentliche Hand allein das Risiko eines Geschäfts, aus dem sich die Partner verabschieden.
2026/0133: Stadtwerke Karlsruhe GmbH: Anteilserhöhung an der BES - Badische Energie-Servicegesellschaft mbH, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 19. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.