Karlsruhe zahlt täglich 20.400 Euro fürs Stadion
Karlsruhe baute das KSC-Stadion für 164,5 statt 123 Mio. Euro um, die Miete des Vereins deckt nicht einmal die Hälfte der Zinsen
Was ist passiert?
Im Wildpark spielt der Karlsruher SC. Das Stadion gehört der Stadt, die es über einen eigens gegründeten Eigenbetrieb umbauen ließ und an den Verein verpachtet. Im April 2018 beschloss der Gemeinderat für den Vollumbau samt öffentlicher Infrastruktur ein Budget von 123,0 Mio. Euro. Bei dieser Summe blieb es nicht.
Im Mai 2020 stellte die Verwaltung ein Worst-Case-Szenario vor: 143,0 Mio. Euro. Das Ende der Fahnenstange war das nicht. Um einen Rechtsstreit mit dem Totalunternehmer zu vermeiden, genehmigte der Gemeinderat im Mai 2022 eine Ergänzungsvereinbarung. Sie akzeptierte alle Nachträge, auch die strittigen, und hob den Festpreis für das Stadion von 112,85 auf 123,0 Mio. Euro. Das Gesamtbudget mit Maßnahmen außerhalb des Hauptvertrags, etwa Provisorien und Stellplätzen, stieg auf 164,5 Mio. Euro. Das sind 21,5 Mio. Euro mehr als im schlimmsten Fall und 41,5 Mio. Euro mehr als ursprünglich beschlossen (164,5 minus 123,0).
Hinzu kam der Pächter. Im April 2020 wurden Finanzprobleme beim KSC bekannt. Das vereinbarte Hospitality-Parkhaus konnte der Verein nicht bezahlen, die Stadt legte ersatzweise einen ebenerdigen Parkplatz mit 300 Stellplätzen an. Auch einen Teil der baulichen Sonderwünsche des Vereins finanzierte der Eigenbetrieb vor. Zurückfließen soll das Geld über eine höhere Pacht. Ob das klappt, hängt laut Rechnungsprüfungsamt vom sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg des KSC ab. Das Risiko der Stadt steige damit.
Seit Dezember 2023 ist das Stadion übergeben, die Bilanz für 2024 liegt vor. Aus Pacht und Nutzungsrechten nahm der Eigenbetrieb 2,29 Mio. Euro ein. Allein für die Zinsen auf 125 Mio. Euro Kredite zahlte er 4,93 Mio. Euro. Den Fehlbetrag von 7,46 Mio. Euro glich die Stadt aus ihrem Haushalt aus, das sind rund 20.400 Euro an jedem Tag des Jahres (7,46 Mio. Euro geteilt durch 366 Tage). Dazu hat sie sich im Oktober 2020 für die gesamte Dauer des Pachtverhältnisses verpflichtet. Der Trost der Verwaltung: Eingeplant waren sogar 9,83 Mio. Euro.
Kritik
Wer einem finanziell angeschlagenen Profiverein die Sonderwünsche vorfinanziert, macht die Stadtkasse zur Geisel des Tabellenplatzes. Das Worst-Case-Szenario von 2020 hat sich als Beruhigungspille erwiesen und nicht als Obergrenze. Spätestens als die Geldsorgen des KSC bekannt wurden, hätte die Stadt den Umfang des Projekts begrenzen und Zusatzwünsche nur gegen gesicherte Zahlungen bauen dürfen. So zahlen die Steuerzahler auf Jahre für ein Stadion, dessen Pacht nicht einmal die Hälfte der Zinsen einbringt.
2025/0500: Jahresabschluss zum 31.12.2024 des Eigenbetriebs "Fußballstadion im Wildpark", Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 24. Juni 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.