Karlsruhe zahlt Wartung für fremdes Hallenbad
Karlsruhe zahlt für ein privates Hallenbad jetzt 180.000 statt 95.560 Euro im Jahr, bis zu 80.000 Euro davon für das Gebäude des Eigentümers
Was ist passiert?
Im Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock liegt das Oberwaldbad, ein kleines Hallenbad, das nicht der Stadt gehört. Eigentümer ist der Wohnstift Karlsruhe e.V., betrieben wird es vom Verein Post Südstadt Karlsruhe. Schwimmkurse, die Rheumaliga, Bewohner der Residenz des Stifts und fünf Schulen teilen sich das Becken, 2023 zählte das Bad rund 35.000 Besuche. Seit einem Vertrag von 1982 trägt die Stadt die Hälfte des Verlusts, zuletzt mit 95.560 Euro im Jahr.
Als der Betreiber 2024 wegen gestiegener Energiekosten kündigte, handelten die drei Partner eine neue Lösung aus. Der städtische Zuschuss stieg auf 180.000 Euro jährlich, ein Plus von 88 Prozent. 100.000 Euro gehen an den Betreiber für das Defizit. Bis zu 50.000 Euro erhält der Wohnstift für Wartung und Instandhaltung seines Gebäudes, dazu 30.000 Euro im Jahr für Sanierungsrücklagen bis zu einer Obergrenze von 300.000 Euro. Angelegt ist die Regelung auf zehn Jahre, das ergäbe 1,8 Mio. Euro. Auf die Besuche von 2023 umgelegt, zahlt die Stadt nun gut 5 Euro je Badegang (180.000 Euro geteilt durch 35.000) statt bisher rund 2,70 Euro.
Als Grund nennt die Verwaltung das Schulschwimmen und die Kinderkurse, die andere Anbieter nicht auffangen könnten. Auf die Schulen entfallen allerdings nur rund 10 Prozent der Besuche, sechs Schulstunden pro Woche. Eine Verlagerung in andere Bäder wäre nach eigener Einschätzung der Verwaltung trotz zusätzlicher Schulbusse erheblich billiger als der Zuschuss. Durchgerechnet hat sie diese Variante nicht.
In den eigenen Bädern reicht das Geld laut Vorlage seit Jahren nur noch für die notwendigsten Wartungsarbeiten. Woher die 84.440 Euro Mehrkosten kommen sollen, konnte die Verwaltung nicht sagen. Der Gemeinderat stimmte im Dezember 2025 trotzdem einstimmig zu. Eine Aussprache verzeichnet das Protokoll nicht.
Kritik
Wer das Gebäude eines privaten Vereins instand hält und ihm Sanierungsrücklagen anspart, während die eigenen Bäder auf Verschleiß gefahren werden, setzt die Prioritäten falsch. Für die Sicherung der Kinderkurse hätte ein Betriebszuschuss an den Betreiber genügt, der Erhalt der Bausubstanz ist Sache des Eigentümers. Bevor die Stadt den Zuschuss fast verdoppelt und für zehn Jahre festschreibt, hätte sie die selbst als billiger eingeschätzte Verlagerung des Schulschwimmens prüfen müssen. Mehrausgaben ohne Deckung einstimmig und ohne Debatte durchzuwinken, passt nicht zu einem Haushalt, der überall sonst sparen muss.
2025/1209: Finanzierung und Weiterbetrieb des Oberwaldbads ab 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 26. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.