Karlsruhe zahlt Weltsportfest auf Verdacht
Obwohl 88 Mio. Euro von Bund und Land nicht zugesagt sind, zahlt Karlsruhe schon 3,3 Mio. Euro für das internationale Sportfest World Games 2029
Was ist passiert?
Karlsruhe will 2029 die World Games ausrichten. Schon 1989 hatte die Stadt ein solches Sportereignis erlebt, wie ein Stadtrat in der Debatte in Erinnerung rief. Das Budget liegt bei 120 Mio. Euro, davon sollen 55 Mio. Euro vom Bund und 33 Mio. Euro vom Land Baden-Württemberg kommen. Im März 2025 erklärte sich der Gemeinderat zur Ausrichtung bereit, allerdings nur unter einer Bedingung: Die verbindlichen Förderzusagen von Bund und Land müssen vorliegen.
Im Juli 2025 lagen sie noch nicht vor. Trotzdem bewilligte der Gemeinderat am 29. Juli mit 34 zu 6 Stimmen weitere 2,47 Mio. Euro, die im Haushalt nicht eingeplant waren. Damit wuchs die Vorfinanzierung allein für 2025 auf 3,32 Mio. Euro. Der größte Posten ist die Ausrichtergebühr an den Weltverband IWGA: 2 Mio. Schweizer Franken, umgerechnet rund 2,13 Mio. Euro. Auch der Betrieb der eigens gegründeten GmbH wurde binnen weniger Monate teurer, statt 750.000 Euro sind es nun 1.082.500 Euro, ein Plus von 44 Prozent. Die Personalkosten stiegen von 100.000 auf 285.000 Euro und damit fast auf das Dreifache. Für Präsentation und Flaggenübergabe im chinesischen Chengdu waren 135.000 Euro eingeplant. Das ist mehr als Marketing (50.000 Euro) und Markenentwicklung samt Logo (40.000 Euro) zusammen.
Die Stadtspitze sprach von einer bloßen Zwischenfinanzierung. Alles werde später mit den Zuschüssen verrechnet, und die Gebühr werde erst gezahlt, wenn das Geld in den Haushalten von Bund und Land sicher verankert sei. Der Oberbürgermeister räumte allerdings selbst ein: Fiele der Bund aus, bliebe die Stadt auf den übrigen Mitteln sitzen. Für 2025 hatten der Bund 990.000 Euro und das Land 1 Mio. Euro eingeplant, Letzteres nur vorbehaltlich eines Ministerratsbeschlusses. Rund 1,33 Mio. Euro (3,32 Mio. minus 1,99 Mio. Euro) musste die Stadtkämmerei durch Umschichtung aufbringen.
Und das in einer Stadt, die nach Angaben aus dem Gemeinderat jährlich 80 Mio. Euro einsparen muss. Zur gleichen Zeit wurde dort über die Schließung von Schülerhorten und des Bades Rappenwört diskutiert.
Kritik
Wer seine Zusage ausdrücklich an verbindliche Förderbescheide knüpft, darf nicht schon vorher Millionen ausgeben, die nicht einmal im Haushalt stehen. Eine Stadt unter massivem Sparzwang trägt hier ein Risiko, das sie nach eigener Aussage im Ernstfall nicht auffangen könnte. Steigende Personalkosten und eine sechsstellige Flaggenübergabe in China hätten bis zur gesicherten Finanzierung warten oder deutlich bescheidener ausfallen müssen. Zuerst muss das Geld gesichert sein, dann kann ausgegeben werden.
2025/0557/1: Ausrichtung von „The World Games 2029“ durch die Stadt Karlsruhe, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 25. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.