Staatsbilanz

Stadt/Karlsruhe/Fehlender Bedarf

Karlsruher Bibliothek: Anbau teurer als Sanierung

Karlsruhe will 36 Mio. Euro in seine Stadtbibliothek stecken, davon 18,72 Mio. für einen Anbau, obwohl nur die alte Technik erneuert werden muss

Was ist passiert?

Die Stadtbibliothek sitzt im Ständehaus. Das Gebäude wurde 1991/1992 an der Stelle des im Krieg zerstörten badischen Landtagsgebäudes errichtet. Zusammen mit der Kinder- und Jugendbibliothek im Prinz-Max-Palais zählt sie über 350.000 Besuche im Jahr. Nach 35 Betriebsjahren müssen Lüftung, Brandschutz und Elektrik erneuert werden. Daran zweifelt niemand.

Bei der Sanierung will es die Stadt aber nicht belassen. Durch einen Grundstückstausch mit der katholischen Kirchengemeinde ist neben dem Ständehaus eine Baulücke frei geworden. Dort soll ein fünfgeschossiger Anbau entstehen, in den die Kinder- und Jugendbibliothek einziehen soll. Mit Lesecafé, Lesetreppe und Dialograum soll das Haus zum „Dritten Ort“ werden. Die Kostenschätzung vom Januar 2026 trennt die beiden Teile sauber: 17,25 Mio. Euro für den Bestand, 18,72 Mio. Euro für den Anbau, zusammen rund 36 Mio. Euro. Die Erweiterung kostet also mehr als die eigentlich nötige Sanierung. Für Unvorhergesehenes sind zusätzlich 6,01 Mio. Euro eingeplant, beim Altbau 35 Prozent der Baukosten.

Erstaunlich offen beschreibt die Verwaltung die eigene Lage. Die Stadtfinanzen seien „keinen guten Ausgangspunkt“ für ein Projekt dieser Größe. Das Vorhaben ist nicht budgetiert. Im Haushalt lasse es sich nur abbilden, wenn Mittel aus dem Sondervermögen durch eine „entsprechende Prioritätensetzung“ dafür eingesetzt werden. Welche anderen Vorhaben dafür zurückstehen müssen, verrät die Vorlage nicht. Die Obergrenze von 36 Mio. Euro soll zudem mit den Baupreisen mitwachsen und ist damit eine Grenze, die sich selbst verschiebt.

Ob der Anbau überhaupt in den Fördersatz von 85 Prozent fällt, wurde beim Regierungspräsidium bisher nur angefragt. Das Lesecafé lässt sich nach Einschätzung der Stadt nicht als normale Gastronomie wirtschaftlich betreiben, deshalb soll ein Sozialprojekt einspringen. Die künftigen Betriebs- und Personalkosten des größeren Hauses beziffert die Vorlage nicht. Zur Begründung verweist die Stadt auf die „einmalige Chance“ und auf eine enge Frist: Baubeginn spätestens Anfang 2028, Fertigstellung bis Ende 2031.

Kritik

Wer selbst feststellt, dass die Kasse ein Projekt dieser Größe kaum hergibt, sollte nicht die teure Variante weiterplanen. Notwendig ist die Erneuerung der Technik, nicht ein fünfgeschossiger Anbau, dessen Förderung nicht einmal zugesagt ist. Eine drohende Frist und die Aussicht auf Zuschüsse rechtfertigen es nicht, ein nicht budgetiertes Vorhaben voranzutreiben und dafür andere Projekte zurückzustellen. Karlsruhe hätte zuerst die Sanierung sichern und den Anbau erst bei gesicherter Finanzierung angehen sollen.

2026/0010/1: Neustrukturierung der Stadtbibliothek und Kinder- und Jugendbibliothek in einem erweiterten Ständehaus - Grundsatzbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 13. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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