Kleiner Kipplaster für 216.580 Euro
Karlsruhe will das einzige Angebot annehmen: 216.580 Euro für einen kleinen Kipplaster in Neureut, 80 Prozent mehr als geschätzt
Was ist passiert?
Neureut ist ein Stadtteil im Norden Karlsruhes mit eigener Ortsverwaltung. Deren Bauhof braucht einen Kipper, der im Sommer- wie im Winterdienst die üblichen Aufgaben erledigt und dabei höchstens 7,49 Tonnen wiegt. Das alte Fahrzeug hat die Wirtschaftlichkeitsgrenze nach Angaben der Stadt bereits überschritten und kann jederzeit ausfallen.
Im Januar 2026 schrieb der Eigenbetrieb Team Sauberes Karlsruhe den Ersatz europaweit aus, zusammen mit fünf weiteren Fahrzeugen für Forstamt, Gartenbauamt und die Ortsverwaltung Grötzingen. Für den Neureuter Kipper rechnete die Stadt mit rund 120.000 Euro.
Dann geriet die Planung ins Rutschen. Der Fahrzeugtyp, auf den die Kalkulation zugeschnitten war, stand wegen struktureller Änderungen bei einem wichtigen Hersteller nicht mehr sicher zur Verfügung. Die Stadt lockerte deshalb die Anforderungen im laufenden Verfahren. Am Ende lag für dieses Los genau ein Angebot vor: 216.580 Euro, also 96.580 Euro über der Schätzung.
Wie viel das ist, zeigt dieselbe Ausschreibung. Für einen anderen 7,49-Tonner mit Doppelkabine hatte die Stadt 75.000 Euro angesetzt. Der Neureuter Kipper kostet fast das Dreifache (216.580 : 75.000 ≈ 2,9). Für den schlichten Kleinlaster fand sich übrigens gar kein Anbieter. Ein 18-Tonner mit Bewässerungsaufbau für das Gartenbauamt soll 273.950 Euro kosten. Der kleine Kipper kostet damit rund 79 Prozent dieses deutlich größeren Lastwagens.
Eine Neuausschreibung hat die Verwaltung erwogen und wieder verworfen. Das Altfahrzeug müsse dringend ersetzt werden, und eine neue Schätzung läge ohnehin auf dem Niveau des jetzigen Angebots. Ein besseres Ergebnis sei daher kaum zu erwarten. Wahrscheinlicher seien teure Mietkosten, falls der alte Kipper vorher den Dienst quittiert. Gestützt ist diese Prognose auf ein Verfahren mit einem einzigen Bieter. Der Betriebsausschuss soll den Zuschlag in seiner Sitzung im Juni 2026 erteilen, gemeinsam mit den übrigen Losen für zusammen 1.836.578,84 Euro.
Kritik
Ein Kipper für den Bauhof einer Ortsverwaltung ist kein Spezialgerät, für das man jeden Preis hinnehmen muss. Die Stadt hat die Anforderungen mitten im Verfahren aufgeweicht und will nun das einzige Angebot annehmen, obwohl es 80 Prozent über der Schätzung liegt. Damit verzichtet sie genau dort auf Wettbewerb, wo er gefehlt hat. Sie hätte das Los mit der geänderten Leistungsbeschreibung neu ausschreiben müssen und bis zur Lieferung notfalls ein Fahrzeug überbrücken können. Der Zeitdruck ist zudem selbst verschuldet, denn das Altfahrzeug lag schon vor der Ausschreibung jenseits der Wirtschaftlichkeitsgrenze.
2026/0155: TSK26001 - Beschaffung von zwei Arbeitsmaschinen und vier LKW, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 20. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.