Profifußball auf Kosten der Stadt Karlsruhe
Karlsruhe gleicht 2025 beim stadteigenen Fußballstadion 8,7 Millionen Euro Verlust aus, der Profiverein KSC zahlt nur 2,1 Millionen Pacht
Was ist passiert?
Im Wildpark spielt der Karlsruher SC, das Stadion gehört der Stadt. Für Bau, Finanzierung und Betrieb des umgebauten BBBank Wildparkstadions gründete Karlsruhe 2017 einen eigenen Eigenbetrieb. Der Verein pachtet den Stadionkörper, und seine Zahlungen sollten den Umbau nach und nach abtragen. Laut einer Anfrage der Fraktion FÜR war ursprünglich von rund 33 Jahren die Rede.
Daraus wird nichts. Seit einem Ratsbeschluss von 2020 gleicht die Stadt die Jahresfehlbeträge des Eigenbetriebs jeweils sofort aus. Für 2025 waren 8,7 Millionen Euro eingeplant, verursacht vor allem durch Abschreibungen von 5,0 und Zinsen von 4,3 Millionen Euro. Der KSC überweist im selben Jahr Grundpacht A, Grundpacht B und Instandhaltungspauschale von zusammen gut 2,1 Millionen Euro. Auf jeden Euro des Vereins legt die Stadt also gut 4 Euro aus der eigenen Kasse drauf (8,7 Mio. : 2,1 Mio.). Bis 2028 summieren sich die geplanten Fehlbeträge auf 30,4 Millionen Euro (8,7 + 7,2 + 7,2 + 7,3).
Die Pacht fiel zudem niedriger aus als ursprünglich vereinbart. Weil ein geplantes Hospitality-Parkhaus nicht ins Budget passte, senkte die Stadt 2018 die Grundpacht B in der zweiten Liga von 1,5 auf 1,4 Millionen Euro. Die Fraktion beziffert die Baukosten auf rund 104 Millionen Euro, etwa 30 Millionen mehr als bei Vertragsschluss 2016, und rechnet inzwischen mit rund 50 Jahren, bis das Stadion bezahlt ist. Der Pachtvertrag endet allerdings schon 2044, eine automatische Verlängerung ist nicht vorgesehen.
Was das Stadion die Stadt über die gesamte Laufzeit kostet, wollte die Fraktion wissen. Eine solche Gegenüberstellung sei „nicht sach- und zielgerecht“, antwortete die Verwaltung, weil der Eigenbetrieb auch Parkplätze und Freiflächen verwalte. Eine eigene Rechnung legte sie nicht vor. Stattdessen teilte sie mit, nach Umschuldung und neu verhandelten Wartungsverträgen seien die Möglichkeiten der Kostenreduktion „weitestgehend ausgeschöpft“. Der Gemeinderat nahm das im Oktober 2025 ohne eine einzige Wortmeldung zur Kenntnis.
Kritik
Wenn die Stadt für jeden Pachteuro des Vereins noch vier Euro drauflegt, ist das Stadion kein Pachtgeschäft, sondern eine Dauersubvention für den Profifußball. Wer solche Summen ausgibt, muss den Bürgern sagen können, was sie das Stadion bis 2044 und darüber hinaus kostet, statt die Frage für unpassend zu erklären. Die Pacht hätte von Anfang an an die tatsächlichen Kosten gekoppelt werden müssen. Spätestens beim Anschlussvertrag muss der KSC einen deutlich größeren Teil der Lasten tragen.
2025/0833: Transparenz zu den Finanzen rund um das BBBank Wildparkstadion und mögliche Einsparpotenziale, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 1. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.