Schulcomputer: Wartung 7,5-mal so teuer
Karlsruhe zahlte 3,3 Mio. Euro für die Betreuung der Computer an seinen Schulen, geplant waren 440.000 Euro
Was ist passiert?
Die Stadt Karlsruhe ist Trägerin von 88 Schulen und damit auch für deren Computer, Netze und Beamer zuständig. 2018 beschloss der Gemeinderat das Programm „IT-moderne Schule“. Bis 2024 sollten Glasfaser, WLAN, Präsentationstechnik und Endgeräte in die Klassenzimmer kommen. Dazu sollte eine eigene Supporteinheit entstehen, die das Ganze am Laufen hält.
Auf den ersten Blick ging die Rechnung auf. Geplant waren 34,57 Mio. Euro, ausgegeben wurden 34,70 Mio. Euro. Die Zahl der mobilen Endgeräte stieg von 3.711 im Jahr 2019 auf 27.168 im März 2025. Bei der Technik stimmte die Planung also. Bei den Menschen, die sie betreuen sollen, eher nicht.
Für den Support hatte die Stadt 440.000 Euro vorgesehen, gedacht für zwei bis vier Personen in den ersten drei Jahren. Benötigt werden nach eigener Rechnung rund 28 Vollzeitstellen. Die Supporteinheit startete 2019 mit zwei Stellen, 2020 kamen zwei hinzu. 2022 genehmigte der Gemeinderat acht weitere, besetzt wurde keine einzige. Die Verwaltung nennt als Gründe den Fachkräftemangel und eine Eingruppierung, die in Fachkreisen wenig attraktiv sei. Das verbliebene Personal war überlastet, im September 2023 wurde die Einheit aufgelöst.
Seither übernehmen externe Firmen den Support, zunächst über Interimsvergaben, seit August 2024 nach europaweiter Ausschreibung. Am Ende kostete der Support im Projektzeitraum 3,31 Mio. Euro, das 7,5-Fache der Planung (3.311.233 Euro geteilt durch 440.000 Euro). Derzeit zahlt die Stadt 87.417 Euro im Monat, rund 1.150 Euro je allgemeinbildender Schule (87.417 Euro geteilt durch 76). Die 12 beruflichen Schulen sind darin noch nicht enthalten. Für sie rechnet die Verwaltung mit mindestens dem gleichen Betrag. Die eigene Zielerreichung beim Support beziffert sie auf 40 Prozent.
Auch der Ausblick ist ernüchternd. Der laufende Betrieb soll künftig rund 4,47 Mio. Euro im Jahr kosten, die Infrastruktur nicht eingerechnet. Im Haushalt ist das nur teilweise eingeplant. Die Hoffnung ruht auf dem Digitalpakt 2.0, aus dem Karlsruhe für 2025 bis 2030 voraussichtlich rund 9,1 Mio. Euro erwartet. Auf sechs Jahre verteilt sind das gut 1,5 Mio. Euro jährlich, also etwa ein Drittel der Folgekosten.
Kritik
Wer zehntausende Geräte in Schulen stellt, muss von Anfang an wissen, wer sie wartet. Karlsruhe hat die Hardware sorgfältig durchgeplant und den Betrieb mit einem Bruchteil des eigenen Bedarfs angesetzt. Stellen zu genehmigen, die bei dieser Eingruppierung absehbar niemand besetzt, löst kein Problem. Bevor weitere Geräte angeschafft werden, gehört die Finanzierung von Support und Ersatz verbindlich in den Haushalt, statt auf ein Förderprogramm zu hoffen, das nur einen Teil der Folgekosten deckt.
2025/0377: IT-moderne Schule - Abschlussbericht, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 22. April 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.