Staatsbilanz

Stadt/Karlsruhe/Kostensteigerung

Stadthalle Karlsruhe: Feuerschutz zu spät geprüft

Karlsruhe soll beim Umbau der Stadthalle 8,24 statt 4,56 Mio. Euro für Wände und Türen zahlen, weil alte Feuerschutzwände erst spät geprüft wurden

Was ist passiert?

Die Stadthalle im Zentrum von Karlsruhe ist seit über 30 Jahren in Betrieb, und das sieht man ihr an. Veraltete Oberflächen, große Mängel in der Haustechnik und erhebliche Lücken beim baulichen Brandschutz sollen mit einer umfassenden Modernisierung behoben werden. Der Gemeinderat genehmigte dafür am 8. Dezember 2021 einen bereits erhöhten Gesamtaufwand von 135,42 Mio. Euro netto.

Ein Baustein davon ist der Auftrag für Trockenbau, Innenausbau und Türen. Im Dezember 2022 ging er für rund 4,56 Mio. Euro netto an die Firma Lindner SE. Dabei blieb es nicht lange. Zwölf Nachtragsvereinbarungen summierten sich auf weitere 2,92 Mio. Euro. Anfang 2025 folgte das Nachtragsangebot mit der Nummer 56 über 763.000 Euro netto, brutto rund 908.000 Euro. Damit soll der Auftrag auf 8,24 Mio. Euro netto steigen, rund 81 Prozent mehr als bei der Vergabe (8,24 geteilt durch 4,56).

Anlass sind die sogenannten Leininger-Wände, Brandschutzabschlüsse an den Treppenhäusern im Foyer. Das Brandschutzkonzept hatte sie als wirksamen Bestand eingestuft. Erst als im August und September 2024 Leitungen verlegt wurden, fiel auf, dass sie in den 1980er Jahren nicht nach Plan gebaut worden waren. Die Zulassung des Herstellers galt zudem nur für gerade Wände, nicht für Türen und Ecken. Die Abschlüsse müssen nun auf vier Ebenen ausgebaut und ersetzt werden.

Bemerkenswert ist auch die Reihenfolge. Lindner verlangte eine Zusage bis zum 7. Februar 2025, andernfalls gingen die Kapazitäten an drei Bauprojekte in Bremen. Die Verwaltung gab nach und beauftragte dem Grunde nach, abgesegnet von drei Dezernaten. Der Bauausschuss soll erst am 27. Februar entscheiden. Nach Darstellung der Verwaltung war das die einzige Möglichkeit, Schaden von der Stadt abzuwenden. In derselben Vorlage räumt sie ein, dass die 135,42 Mio. Euro nicht reichen werden; die Steigerung liege aber unter zehn Prozent.

Kritik

Wer eine über 30 Jahre alte Halle für mehr als 135 Mio. Euro umbaut, muss den Zustand der Brandschutzelemente prüfen, bevor er plant und ausschreibt, und nicht erst, wenn die Leitungen verlegt werden. Dass ein einzelner Auftrag um mehr als vier Fünftel wächst, zeigt, wie wenig belastbar die ursprüngliche Ausschreibung war. Wenn eine Firma mit dem Abzug ihrer Kapazitäten droht und die Verwaltung daraufhin vorab zusagt, bleibt dem zuständigen Ausschuss nur noch das Abnicken. Bei Vorhaben dieser Größe gehören Zeitpuffer in die Planung, damit die Stadt nicht unter Druck vergeben muss.

2025/0145: Stadthalle Modernisierung, Vergabe von Trockenbau, Innenausbau, Türen 2, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 12. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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