Teure Seebühne am Karlsruher Zoo bleibt stumm
Karlsruhe ließ die Bühne im Park am Zoo für 2 Mio. Euro sanieren, doch für Konzerte fehlen jährlich 60.000 Euro
Was ist passiert?
Mitten im Zoologischen Stadtgarten, der Parkanlage rund um den Karlsruher Zoo, liegt eine Bühne direkt am See. Früher traten dort im Sommer regelmäßig Musik- und Gesangsvereine auf. Das Gartenbauamt organisierte die Konzerte, die Vereine erhielten eine kleine Gage. Nach Angaben eines Stadtrats hat sich die Stadt die Sanierung und Modernisierung der Bühne in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 2 Mio. Euro kosten lassen.
Gespielt wird dort allerdings kaum noch. Im Zuge der Haushaltssicherung strich der Gemeinderat dem Gartenbauamt Personal und Budget für die Veranstaltungen, laut Verwaltung fehlen die Mittel seit 2017. Eine Stadträtin erinnerte daran, dass die Stelle ausgerechnet wegfiel, als die Bühne gerade frisch renoviert war. Die Auftritte im Jahr 2024 kamen nur zustande, weil die Sparkassenstiftung einsprang. Für den Sommer 2025 stand ein einziger Termin fest, und den hatte der Musikverein Wolfartsweier selbst organisiert.
Die SPD beantragte daraufhin ein Konzept für mehr Betrieb. Gartenbauamt, Zoo und die städtische Eventgesellschaft rechneten nach: Für rund acht Abende mit Eintritt und ein kostenloses Nachmittagsprogramm bräuchte es eine externe Agentur. Kosten: 120.000 Euro im Jahr, dazu Personal. Die Hälfte sollten Sponsoren, Eintrittsgelder und die Umsatzpacht der Zoogastronomie einbringen, 60.000 Euro blieben bei der Stadt. Wegen der Haushaltssperre riet die Verwaltung ab.
Mehrere Fraktionen beharrten darauf, das gehe auch kostenneutral. Die Verwaltung hielt dagegen, ob sich Spender finden ließen, hatte allerdings niemand untersucht. Am 29. April 2025 schob der Gemeinderat das Thema in den Kulturausschuss, der sich im Juli damit befassen soll.
Die Rechnung ist ernüchternd: Auf zehn Jahre verteilt flossen rund 200.000 Euro jährlich in die Bühne (2 Mio. Euro geteilt durch 10). Für ihren Betrieb fehlen 60.000 Euro im Jahr, also weniger als ein Drittel davon.
Kritik
Wer eine Bühne für Millionen herrichtet, muss vorher klären, wer sie bespielt und wer das bezahlt. Karlsruhe hat erst saniert und dann genau die Stelle gestrichen, die aus der Investition einen Nutzen gemacht hätte. Jetzt steht ein aufwendig modernisiertes Bauwerk die meiste Zeit leer, und die Sanierungskosten verpuffen. Investitionen in Kultureinrichtungen dürfen nur mit einem gesicherten Betriebskonzept freigegeben werden.
2024/0884/1: Seebühne stärker nutzen, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 10. Januar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.