Staatsbilanz

Stadt/Karlsruhe/Kostensteigerung

Teure Straße unter den Gleisen

Karlsruhe will eine Straße für 132,5 Millionen Euro unter den Bahngleisen bauen, eine Brücke würde nur 88 bis 104 Millionen kosten

Was ist passiert?

Durch den Stadtteil Hagsfeld rollt so viel Verkehr, dass selbst die Kritiker des aktuellen Plans eine Entlastungsstraße für nötig halten. Strittig war nie das Ob, sondern das Wie: Die neue Umfahrung soll den Bahnkorridor zwischen Karlsruhe und Mannheim queren, entweder auf einer Brücke darüber oder in einem Trog darunter.

Die Verwaltung prüfte beide Varianten und empfahl 2019 die aufgeständerte Brücke. Sie sei besser für die Umwelt, zerschneide den Stadtteil weniger und sei im Bau wie im Unterhalt günstiger. Der Gemeinderat sah das 2020 anders und entschied sich für den Trog. Das Tiefbauamt plante gehorsam weiter und fand nach eigener Darstellung gute Lösungen für Umwelt und Trennwirkung. Nur die Kosten ließen sich nicht wegoptimieren.

Laut einem Antrag der Wählergruppe FÜR Karlsruhe stieg die Prognose für den Trog binnen fünf Jahren von 70 auf 132,5 Mio. Euro. Die Verwaltung bestätigt die 132,5 Mio. Euro und nennt dazu jährliche Folgekosten von 3,8 Mio. Euro, unter anderem für Pumpen, die das Grundwasser aus dem Bauwerk halten. Das sind rund 10.400 Euro an jedem Tag des Jahres (3,8 Mio. Euro geteilt durch 365). Für die Brücke rechnet die Wählergruppe mit 88 bis 104 Mio. Euro und rund 1 Mio. Euro Folgekosten im Jahr. Über 30 Jahre summiert sich allein dieser Unterschied auf 84 Mio. Euro. Das Land fördert zudem nur die wirtschaftlichere Lösung, den Aufpreis für den Trog trägt die Stadt also selbst, und das in einer Haushaltslage, die der Antrag als historische Notlage beschreibt.

Hinzu kommt ein Zeitrisiko: Der Trog kann nur gebaut werden, während die Bahn ihren Korridor voll sperrt. Die Verwaltung bleibt daher bei ihrer Empfehlung. Die bisherige Trogplanung wäre bei einem Wechsel verloren, einige Gutachten müssten neu erstellt werden. Angesichts der deutlich geringeren Gesamtkosten hält das Tiefbauamt das für finanziell vertretbar. Am 24. März 2026 soll der Gemeinderat entscheiden.

Kritik

Wer gegen die eigene Fachverwaltung die teurere Variante wählt, muss für die Mehrkosten geradestehen, und hier zahlen die Bürger beim Bau und danach jahrzehntelang beim Betrieb. Die verlorenen Planungskosten sind ärgerlich, aber sie rechtfertigen nicht, weiteres Geld in einen Trog zu stecken, den das Land nur zum Teil fördert. Der Gemeinderat sollte seine Entscheidung von 2020 korrigieren und die Brücke bauen lassen. Bei Großprojekten gehört die Wirtschaftlichkeit an den Anfang der Abwägung und nicht ans Ende.

2025/1241/1: Baubeschluss: Umfahrung Hagsfeld, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 23. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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