Teurer Prachtbau für Karlsruher Trauungen
Karlsruhe will zum Heiraten zehn Jahre einen Prachtbau mieten, obwohl 2,4 Millionen Euro dafür fehlen und eigene Räume bereitstehen
Was ist passiert?
Generationen von Karlsruher Paaren haben im Haus Solms geheiratet, einer denkmalgeschützten Villa von 1881. Inzwischen ist das Gebäude marode. Zweiadrige Elektroleitungen erhöhen die Brandgefahr, die alte Einrohrheizung lässt sich kaum regeln, im Sanitärnetz drohen Legionellen. Eine Generalsanierung würde nach erster Schätzung 8 bis 9 Mio. Euro kosten. Im Mai 2025 stimmte der Gemeinderat deshalb dem Verkauf zu. Künftig sollen die Trauungen im Prinz-Max-Palais stattfinden, dessen Sanierung allerdings frühestens ab 2031/2032 realistisch ist. Bis dahin braucht das Standesamt ein Übergangsquartier.
Die Verwaltung hat dafür eine erste Adresse ausgesucht: den frisch sanierten Mittelbau des Markgräflichen Palais am Rondellplatz, Eigentum der PSD-Bank. Erd- und Untergeschoss sollen für 29.705,24 Euro im Monat angemietet werden, also 356.462,88 Euro im Jahr, fest auf zehn Jahre und mit Option auf zweimal fünf weitere. Das Standesamt füllt das Erdgeschoss nur knapp. Gebraucht wird es vor allem freitags und samstags, unter der Woche nur stundenweise. Im Untergeschoss liegen die einzigen Toiletten des Hauses, allein diese Etage kostet 7.019,02 Euro Grundmiete im Monat.
Gedeckt sind davon nur 115.000 Euro: 70.000 Euro, die beim Haus Solms wegfallen, und 45.000 Euro für sonst angemietete Veranstaltungsräume. Die übrigen 241.462,88 Euro jährlich sind nirgends eingeplant, auch nicht im Doppelhaushalt 2026/2027. Über die feste Laufzeit sind das rund 2,4 Mio. Euro (10 × 241.462,88 Euro). Woher das Geld kommen soll, konnte der Oberbürgermeister in der Sitzung nach eigenem Eingeständnis noch nicht erklären.
Dabei liegt eine Alternative auf dem Tisch. Die Stadt hat das Rückgebäude Karl-Friedrich-Straße 14/18 bereits vollständig angemietet, und das Ordnungsamt hatte den Räumen im August 2024 die grundsätzliche Eignung als Trauort bescheinigt. Verworfen wurden sie trotzdem: unscheinbares Rückgebäude, Parkplätze davor, keine vergleichbare Objektqualität. Was ein Umbau dort kosten würde, hat niemand ermittelt. Weil keine sichere Mehrheit für das Palais in Sicht war, vertagte der Gemeinderat die Entscheidung über die Anmietung in den Juni.
Kritik
Eine Stadt, deren Haushalt unter Auflagen des Regierungspräsidiums steht, sollte ein Übergangsquartier nicht nach seinem Repräsentationswert auswählen. Wer sich zehn Jahre fest an eine Miete bindet, die zu rund zwei Dritteln ungedeckt ist, schiebt die Last in künftige Haushalte. Vor einer Anmietung im Palais hätte zumindest feststehen müssen, was die Herrichtung bereits angemieteter Räume kostet. Für ein Jawort braucht es einen würdigen Raum, aber keinen Prachtbau um jeden Preis.
2025/0422/1: Anmietung von Räumen im Mittelbau des Markgräflichen Palais am Rondellplatz zur Unterbringung des Standesamtes und weiterer Nutzungen, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 27. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.