Teurer Zaun für das Karlsruher Stadion
Karlsruhe zahlt 1,73 Millionen Euro für einen beim Stadionumbau vergessenen Zaun, der Zaun selbst kostet nur 600.000 Euro davon
Was ist passiert?
Karlsruhe (BW). Das Fußballstadion im Wildpark wurde vollständig umgebaut, und zwar aus einer Hand. Ein Totalunternehmer plante und baute zum Pauschalpreis, ein städtischer Eigenbetrieb führte die Aufsicht. Die Leistungsbeschreibung ließ dem Unternehmer dabei eine Freiheit, die sich nun als teuer erweist: Er durfte auf einen äußeren Zaun verzichten und die Einlasskontrollen oben auf den Wall verlegen. Davon machte er Gebrauch.
Ob die DFL für ihre Lizenz eine Umfriedung verlangt, war damals nicht eindeutig geregelt. Auch als die Stadt im Mai 2022 eine Ergänzungsvereinbarung mit dem Totalunternehmer schloss, blieb die Frage offen. Statt den Zaun einzupreisen, nahm man ihn ganz aus dem Pauschalbetrag heraus. Inzwischen schreibt die DFL die Umfriedung in ihrem Regelwerk vor, und auch die Polizei fordert sie ausdrücklich. Bis auf Weiteres umschließt ein Bauzaun das Gelände.
Laut Vorlage vom Januar 2025 soll der Nachbau rund 1,73 Mio. Euro netto kosten. Der Zaun selbst, mit Toren, Fundamenten und Aushub, steht darin mit 600.000 Euro. Den größeren Teil verschlingt, was der Zaun nach sich zieht. Allein für die Planung sind 410.000 Euro angesetzt. Weil der Raum zwischen Stadion und neuem Zaun künftig zur Versammlungsstätte zählt, muss zudem die Sprachalarmierung erweitert werden, geschätzt für 500.000 Euro. Einen Wettbewerb um diesen Auftrag wird es nicht geben. Solange die Gewährleistung läuft, darf nur die Firma an die Anlage, die sie errichtet hat. Sie soll direkt angefragt werden.
Von jedem Euro des Vorhabens fließen damit knapp 35 Cent in den eigentlichen Zaun (600.000 von 1,73 Mio. Euro). Fertig sein soll alles bis Ende April 2026. Danach belastet die Umfriedung den Eigenbetrieb 17 Jahre lang mit rund 114.000 Euro im Jahr, nämlich 102.000 Euro Abschreibung und 12.000 Euro Wartung.
Kritik
Wer 2022 nicht wusste, ob die Liga einen Zaun verlangt, hätte ihn als Option im Vertrag mit dem Totalunternehmer sichern müssen, statt ihn ersatzlos zu streichen. So wird nun nachträglich geplant, nachträglich gebaut und nachträglich an eine Sicherheitsanlage angeschlossen, deren Erweiterung nur ein einziger Anbieter ausführen darf. Dass der Zaun selbst nur gut ein Drittel der Kosten ausmacht, zeigt, was diese Lücke im Vertrag kostet. Den Preis für die Sprachalarmierung muss die Stadt besonders streng prüfen, denn ohne Konkurrenz fehlt jeder Maßstab.
2025/0103: Bau einer äußeren Umfriedung im Rahmen des Vollumbaus "Fußballstadion im Wildpark", Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 29. Januar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.