2,1 Millionen Euro Werbung fürs Theater
Köln will für die Wiedereröffnung der Bühnen am Offenbachplatz 2,1 Millionen Euro Werbung zahlen und spart davon nur 100.000 Euro ein
Was ist passiert?
Die Bühnen der Stadt Köln am Offenbachplatz sollen nach ihrem Neustart wieder bespielt werden, und damit das Publikum es auch bemerkt, hat der Stadtrat vorgesorgt. Am 15. Juni 2023 stellte er zusätzlich 3,5 Mio. Euro bereit. Davon sind 2,1 Mio. Euro für eine umfassende Marketingkampagne vorgesehen und 1,4 Mio. Euro für ein mehrtägiges Eröffnungsfestival. Die Werbung bekommt damit 60 Prozent der Extramittel (2,1 Mio. von 3,5 Mio. Euro).
Wie das Geld verteilt ist, erklärte die Verwaltung im Mai 2026 auf Anfrage der SPD-Fraktion. Rund ein Drittel, also etwa 700.000 Euro, fließt in Beratung, Konzeption, Fotografie, Grafikdesign und Videoproduktion. Rund zwei Drittel, etwa 1,4 Mio. Euro, gehen in Anzeigen, Hörfunkspots, Social-Media-Inhalte und Außenwerbung. Allein das Media-Budget entspricht damit dem gesamten Eröffnungsfestival.
Die SPD wollte wissen, ob sich Teile des Geldes für die freie Szene oder das Kinder- und Jugendtheater abzweigen lassen. Die Verwaltung prüfte das Konzept „eingehend“ und fand 100.000 Euro: 35.000 Euro bei der Produktion von Social-Media-Inhalten und 65.000 Euro bei der Printwerbung. Das sind knapp fünf Prozent der Kampagne (100.000 geteilt durch 2,1 Mio. Euro). Die Folge seien „weniger erreichte Medienkontakte im einstelligen Millionenbereich“. Wie viele Kontakte die verbleibende Kampagne bringen soll und was ein Kontakt kosten darf, nennt die Verwaltung nicht. Die gekürzten Mittel sollen der freien Szene zugutekommen, derzeit wird noch geprüft, wie das gehen kann.
Über den Erfolg will die Betriebsleitung den Betriebsausschuss bis zum Start der Spielzeit 2026/27 bei jeder Sitzung über Reichweite und vertriebliche Kennzahlen informieren. Ein Ziel, an dem sich das messen ließe, ist nicht genannt.
Kritik
Mehr als zwei Millionen Euro Werbung für ein Haus, dessen Wiedereröffnung ohnehin Schlagzeilen macht, sind eine großzügige Summe. Dass die Prüfung nur knapp fünf Prozent davon als entbehrlich einstuft, zeigt, wie wenig die Kampagne hinterfragt wurde. Eine Kampagne in dieser Größenordnung braucht vorab ein messbares Ziel und eine Obergrenze je erreichtem Kontakt. Wer Kulturgeld zuerst in Anzeigen und Plakate steckt, spart es an anderer Stelle, bei der freien Szene und beim Kinder- und Jugendtheater, die laut Anfrage nun auf Reste hoffen.
1329/2026: Beantwortung einer mündlichen Anfrage von Maria Helmis-Arend (SPD-Fraktion) betreffend "Budget für die Kommunikationsstrategie Bühnen" aus der Sitzung des Hauptausschusses vom 20.04.2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 7. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.