600.000 Euro Kulturgeld für Pferderennverein
Köln will 2027 und 2028 aus der Kulturabgabe 600.000 Euro an einen Pferderennverein geben, ohne dass in den Unterlagen ein Zweck steht
Was ist passiert?
Die Stadt Köln legt derzeit fest, wofür sie 2027 und 2028 die Erträge aus der Kulturförderabgabe einsetzt. Die Liste umfasst jedes Jahr 5,65 Mio. Euro. Vieles darauf ist erwartbar: 320.000 Euro für den Medienetat der Stadtbibliothek, 345.000 Euro für die Konzeptionsförderung Tanz, 500.000 Euro für Denkmäler, gebunden an die Torburgen. Dazwischen stehen allerdings auch Einzelhandelsförderung, Eissport und ein Topf für Bänke und Bewegungsparcours.
Eine Zeile fällt besonders auf: „an Kölner Renn-Verein e.V.“, 300.000 Euro pro Jahr, zusammen also 600.000 Euro. Beantragt haben das die Ratsfraktionen von Grünen, CDU und SPD gemeinsam. Der Antrag ging am 15. Oktober 2026 im Amt des Oberbürgermeisters ein und stand einen Tag später im Finanzausschuss auf der Tagesordnung. Ob er angenommen wurde, ist nicht bekannt.
Der Posten steht in der Liste neben der Unterstützung des Spitzensports mit 100.000 Euro und der Eissportförderung für diverse Empfänger mit 200.000 Euro. Der einzelne Verein bekommt damit das Dreifache des Spitzensports und das Anderthalbfache des gesamten Sonderausstellungsetats der Museen (200.000 Euro). Er erhält 300.000 von 5.650.000 Euro, also rund 5,3 Prozent der Jahressumme.
Bei vielen anderen Posten ist vermerkt, was mit dem Geld geschieht: Baukostenzuschuss, Zweckbindung, Freigabe durch den Fachausschuss. Beim Renn-Verein fehlt jeder Zusatz. Auch der Antrag selbst bleibt knapp. Unter „Begründung“ steht dort nur: „Die Begründung erfolgt mündlich.“ Wofür der Verein das Geld verwenden soll, lässt sich den Unterlagen daher nicht entnehmen.
Kritik
Eine Abgabe, die Kulturförderabgabe heißt, sollte der Kultur zugutekommen. 600.000 Euro an einen einzelnen Verein, mehr als der Spitzensport und alle Museumssonderausstellungen zusammen jeweils jährlich erhalten, sind keine Kleinigkeit. Ein solcher Betrag gehört nicht als Pauschalposten in eine Sammelliste, sondern in ein offenes Verfahren mit klarem Zweck und Freigabe durch den Fachausschuss. Wer Geld aus dem Kulturtopf an Sport oder andere Zwecke gibt, nimmt es denen weg, für die die Abgabe gedacht ist.
AN/1632/2026: b TOP 8.1 - Haushaltssatzung der Stadt Köln für die Haushaltsjahre 2027/2028 einschl. mittelfristiger Finanzplanung: hier: Kulturförderabgabe, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 16. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.