Kölner Oper: 32 Millionen Euro Verlust
Die Stadt Köln zahlt für das sanierte Opernhaus im ersten Jahr 32,4 Millionen Euro drauf, weil die Baukosten 12,5 Millionen mehr belasten als geplant
Was ist passiert?
Vierzehn Jahre lang spielten Oper und Schauspiel der Stadt im Interim, nun ist das Ensemble am Offenbachplatz generalsaniert und wieder in Betrieb. Die Stadt zahlt den Bühnen einen Betriebskostenzuschuss. Nach dem Ratsbeschluss von 2023 (actori) sollte dieser Zuschuss die Obergrenze für alles sein: Spielbetrieb, Nachlaufkosten des Interims und die Kosten der Sanierung.
Die Rechnung geht schon in der ersten Spielzeit nicht auf. Für Abschreibungen und Zinsen der Sanierung sind 49,7 Mio. Euro vorgesehen, 12,5 Mio. Euro mehr als im Beschluss angenommen. Angenommen waren demnach 37,2 Mio. Euro (49,7 minus 12,5), die tatsächliche Last liegt also gut ein Drittel darüber. Auf ein Jahr gerechnet sind das rund 136.000 Euro pro Tag (49,7 Mio. Euro geteilt durch 365). Die Bühnen erwarten ein Defizit von rund 7,1 Mio. Euro. Hinzu kommen 25,3 Mio. Euro, die in den Vorjahren zu viel in die Sanierungsrücklage eingestellt wurden und den Zuschuss nun mindern. Der Jahresfehlbetrag steigt damit auf rund 32,4 Mio. Euro und soll aus der Sanierungsrücklage gedeckt werden.
Auch in den Folgejahren bleiben Fehlbeträge: 4,5, 3,9 und 3,7 Mio. Euro, zusammen 12,1 Mio. Euro. Mit dem ersten Jahr sind es 19,2 Mio. Euro in vier Spielzeiten. Gegensteuern wollen die Bühnen mit Einsparungen von 3,0 Mio. Euro je Spielzeit und mit der Untervermietung des Depots 1, die 0,5 Mio. Euro bringen soll. Das reicht laut Vorlage nicht aus. Gespielt wird zudem weniger als im Musterspielplan vorgesehen, etwa 124 statt 151 Opernvorstellungen.
Der Wirtschaftsplan kam erst nach Spielzeitbeginn zur Beschlussfassung. Seit dem 1. September 2026 arbeiten die Bühnen in vorläufiger Haushaltsführung, für laufende Ausgaben dürfen sie Kassenkredite bis 8 Mio. Euro aufnehmen. Offiziell hat sich der verwaltungsinterne Abstimmungsprozess verzögert, vor allem beim Konsolidierungspfad und beim Stellenplan.
Kritik
Dass Abschreibungen und Zinsen einer Sanierung hoch ausfallen, ist keine Überraschung der Eröffnungswoche, sondern war über Jahre absehbar. Eine Zuschussobergrenze, die schon im ersten Jahr um 12,5 Mio. Euro an den Kapitalkosten scheitert, taugt als Steuerungsinstrument nicht. Wenn die Defizite danach aus der Sanierungsrücklage gedeckt werden, wird nur Geld verschoben, aber nichts gespart. Spielplan und Personal hätten rechtzeitig an einen realistischen Finanzrahmen angepasst werden müssen, und der Wirtschaftsplan hätte vor Beginn der Spielzeit beschlossen sein müssen.
2533/2026: Wirtschaftsplan der Bühnen Köln für die Spielzeit 2026/27, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.