220.000 Euro für Werbung und Hüpfburgen
Köln bezahlt Händlern in Stadtteilen wie Lindenthal Werbung und Feste mit 219.820 Euro, ein Verein bekommt allein 30.000 Euro für Hüpfburgen und mehr
Was ist passiert?
In vielen Kölner Veedeln, den Stadtteilen, haben sich Händler zu Interessengemeinschaften und Vereinen zusammengeschlossen. Ihnen unter die Arme greifen soll das städtische Förderprogramm „Unterstützung Handel 2026“, für das der Wirtschaftsausschuss im Januar 400.000 Euro freigab.
Bis zum Ende der Antragsfrist am 20.03.2026 gingen 19 Anträge ein. Stand 14.04.2026 hatte die Verwaltung zehn davon bewilligt, zusammen 219.820 Euro. Das sind knapp 55 Prozent des Topfes (219.820 : 400.000). Wer die Liste der Maßnahmen liest, blättert in einem Werbeprospekt: Social-Media-Kampagnen, Radiospots, Image-Filme, Fahnen und Plakate. In Neuehrenfeld flossen 27.000 Euro in eine Social-Media-Kampagne und Merchandising-Artikel, in Deutz sollte unter anderem bei den Heimspielen der Kölner Haie für die Interessengemeinschaft geworben werden.
Den Höchstzuschuss von 30.000 Euro erhielt unter anderem der RLG e. V. in Lindenthal. Die Gesamtkosten seiner sieben Maßnahmen beziffert die Aufstellung auf 37.746,87 Euro. Die Stadt trägt davon 30.000 Euro, rund 79 Prozent (30.000 : 37.746,87), der Eigenanteil liegt bei 7.746,87 Euro. Finanziert werden Social-Media-Management, eine Website, ein Minijobber, Marketing für drei Feste, Radiowerbung für das Sommerfest, die Weihnachtsbeleuchtung und gleich zwei Mal die Miete einer Hüpfburg, einmal fürs Familienfest, einmal fürs Herbstfest. Wie viel davon auf die Hüpfburgen entfällt, nennt die Aufstellung nicht. Der Durchschnitt der zehn bewilligten Anträge beträgt 21.982 Euro (219.820 : 10), der Lindenthaler Zuschuss liegt also gut 36 Prozent darüber.
Die Verwaltung hält die Mittel offenbar für gut angelegt. Von den restlichen Anträgen gelten sechs als grundsätzlich förderungswürdig und sollen bis Ende Mai 80.000 bis 100.000 Euro binden. Für die dann verbleibenden 80.000 bis 100.000 Euro soll ab Ende Juni eine zweite Ausschreibung folgen, bei der die Mindestfördersumme gesenkt werden soll.
Kritik
Städtisches Geld ist kein Werbeetat für Vereinsfeste. Wenn die Stadt bis zu 30.000 Euro für Social-Media-Betreuung, Radiospots und Hüpfburgmieten gibt, bezahlt sie Aktivitäten, die Händler und Vereine im Eigeninteresse längst selbst tragen könnten. Förderung sollte auf dauerhaft wirksame Dinge zielen und einen deutlich höheren Eigenanteil verlangen, als ihn Lindenthal mit gut einem Fünftel der Kosten aufbringen muss. Und wenn der Topf zu mehr als der Hälfte in Marketing und Veranstaltungswerbung fließt, hat das mit Handelsförderung wenig zu tun.
1056/2026: Sachstandsmitteilung über die Umsetzung des Förderprogramms "Unterstützung Handel 2026 ", Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 21. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.