Staatsbilanz

Stadt/Köln/Imagepflege

3,5 Millionen Euro für Opern-Werbung in Köln

Köln zahlt 3,5 Millionen Euro für Plakate und Eröffnungsfest der wiedereröffneten Oper, ein zusätzliches Abo kostet damit rund 2.500 Euro

Was ist passiert?

Köln (NRW). Oper, Schauspiel und Tanz der Stadt Köln spielten zuletzt in Interimsspielstätten und sollen nun an den Offenbachplatz zurückkehren. Der Rat beschloss dafür im Juni 2023 eine eigene Kampagne und stellte 3,5 Mio. Euro bereit: 2,1 Mio. Euro für eine Marketing-Mobilisierungskampagne und 1,4 Mio. Euro für ein mehrtägiges Eröffnungsfest. Die Kampagne soll Begeisterung entfachen und den Platz als kulturelles Zentrum für alle positionieren. Wegen der städtischen Haushaltslage habe die Einhaltung des Budgets dabei höchste Priorität, so die Verwaltung.

Im Mai 2026 legte sie dem Betriebsausschuss einen Sachstandsbericht vor. Die Kampagne lief seit dem 4. März mit Plakaten, Anzeigen und Instagram. Bis zum 15. April wurden mehr als 100 Mio. Medienkontakte gezählt. Allein 71,46 Mio. davon stammen von 1.796 Out-of-Home-Flächen, weitere 19,5 Mio. sind Instagram-Impressions. Diesen 19,5 Mio. standen 70.000 Klicks gegenüber, das sind gut 0,3 Prozent (70.000 : 19,5 Mio.). Acht Print-Anzeigen kamen auf 4,19 Mio. Kontakte.

Als zweiten Erfolg nennt die Verwaltung den Abo-Vorverkauf: 4.138 Abonnements in den ersten drei Wochen, 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum in den Interimsspielstätten. Rechnet man die Tabelle des Berichts zusammen, waren es dort 649 + 1.402 + 700 = 2.751 Abos. Der Zuwachs beträgt also 1.387 Abos. Teilt man die 3,5 Mio. Euro durch diese 1.387, kostet jedes zusätzliche Abo rund 2.500 Euro, und zwar unter der großzügigen Annahme, dass die Kampagne den ganzen Zuwachs allein ausgelöst hat. Ob das so war oder ob die Aussicht auf das wiedereröffnete Haus ohnehin genügt hätte, sagt der Bericht nicht. Der größte Sprung gelang bei der Oper mit 1.629 statt 649 Abos, also 980 mehr.

Kritik

Ein Haus, auf dessen Wiedereröffnung Publikum und Presse ohnehin warten, braucht keine 3,5 Mio. Euro, um bemerkt zu werden. Hundert Millionen gezählte Kontakte sind vor allem ein Maß dafür, wie viele Plakate und Anzeigen gebucht wurden, nicht dafür, wie viele Menschen sich angesprochen fühlten. Ein deutlicher Abo-Zuwachs nach dem Umzug aus Interimsspielstätten in das neue Haus war zu erwarten und rechtfertigt den Millionenbetrag nicht. Gezielte Ansprache des bestehenden Publikums, Pressearbeit und ein schlichtes Eröffnungswochenende hätten bei knapper Haushaltslage genügt.

1270/2026: Sachstandsbericht zur Kommunikations-Kampagne und zu vertrieblichen Kennzahlen im Rahmen der Wiedereröffnung Offenbachplatz, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 5. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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