Staatsbilanz

Stadt/Köln/Imagepflege

3,5 Millionen Euro gegen Ärger am Theaterbau

Köln zahlt 3,5 Millionen Euro für Werbung und Feste, damit die Kölner den Umbau von Oper und Schauspielhaus verzeihen (Baukosten 798,6 Millionen)

Was ist passiert?

Am Offenbachplatz in der Kölner Innenstadt stehen Oper, Schauspielhaus, Kleines Haus und Kinderoper. Die Gebäude werden seit Jahren saniert, der Spielbetrieb lief in dieser Zeit in Ausweichquartieren, bis zu 36 Standorte in und um Köln waren es. 16 Spielzeiten dauerte das Interim, allein der zusätzliche Betriebskostenzuschuss dafür beläuft sich auf 150 Millionen Euro. Im September 2026 soll der Spielbetrieb in den sanierten Häusern beginnen.

Zur Rückkehr hat der Rat im Juni 2023 ein eigenes Budget beschlossen: 2,1 Millionen Euro für eine bundesweite Mobilisierungskampagne und 1,4 Millionen Euro für mehrtägige Eröffnungsfestivals, zusammen 3,5 Millionen Euro brutto. Bis Ende November 2025 waren davon 357.000 Euro gezahlt. Die Kampagne entwickelt die Agentur JVM gemeinsam mit den Bühnen.

In der Präsentation für den Betriebsausschuss steht offen, was sie leisten soll: Das „Sanierungsdesaster“ sitze tief, heißt es dort, und es müsse „die negative Geschichte der letzten Jahre einmal zu Ende erzählt“ werden. Die Kampagne ist als Theaterstück in vier Akten angelegt, überschrieben mit „Drama“, „Auferstehung“, „Freude“ und „Ekstase“. Den Auftakt bildet die Botschaft „Wir haben verstanden“. Dazu soll im September 2026 eine rund 200 Seiten starke Sanierungs-Chronik erscheinen, die die Kölner „mit der Baustelle versöhnen“ soll.

Die Sanierung selbst hat ein Kostenbudget von 798,6 Millionen Euro. Rechnet man Bauzeitzinsen von rund 80 Millionen, Finanzierungskosten von rund 450 Millionen über 40 Jahre und das Interim hinzu, sind es etwa 1,48 Milliarden Euro. Die 3,5 Millionen machen davon wenig aus, nämlich rund 4,4 Euro auf je 1.000 Euro Baukosten (3,5 Mio. geteilt durch 798,6 Mio.). Aber sie fließen nicht in Mauern, sondern in Werbung und Festivals, damit die Stadt das Bauprojekt wieder gern ansieht.

Dabei fehlt es nicht an Publikum: Die Kinderoper meldet für 2024/25 eine Auslastung von 98,5 Prozent, die Tanzgastspiele nahezu 100 Prozent. Die Tanzsparte dagegen wurde im Oktober 2024 mangels Finanzierung zurückgestellt.

Kritik

Wer ein Haus für fast 800 Millionen Euro Baukosten saniert, sollte es nicht noch mit einer Kampagne von 2,1 Millionen Euro bewerben, die das eigene Image reparieren soll. Dass die Bühnen das „Sanierungsdesaster“ als Kommunikationsaufgabe benennen, zeigt, wofür das Geld gedacht ist: Die Stadt bezahlt Werbung gegen den Ärger, den sie selbst verursacht hat. Gewonnen werden die Kölner eher durch ein pünktlich und im Kostenrahmen eröffnetes Haus, ein überzeugendes Programm und günstige Karten. Die Eröffnungsfestivals sollten schlank bleiben, und die Kampagne hätte deutlich kleiner ausfallen müssen, zumal die Stadt bei der Tanzsparte am Geld scheitert.

0038/2026: Gesamtkonzept Bühnen Köln 2030, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 14. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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