4,1 Millionen für kaputte Domgarage
Köln gab für die marode Tiefgarage am Dom 4,1 Millionen Euro ohne öffentliche Ausschreibung frei, allein 860.000 Euro davon sind pauschale Zuschläge
Was ist passiert?
Am Kölner Dom liegt eine städtische Tiefgarage, die vor rund 50 Jahren beim Bau der Stadtbahnstrecke Dom-Neumarkt entstand und aus vier Bauteilen besteht. 2025 stellte ein Gutachter schwere Schäden an den Rundstützen des Bauteils D fest. Eine Stütze trug nicht mehr genug, im August wurde die Domplatte zeitweise gesperrt, im September stützte man sie mit Stahlträgern ab. Dass hier schnell gehandelt werden musste, ist unstrittig.
Doch aus der Notmaßnahme wurde ein Paket: Unter Berufung auf „Gefahr im Verzug“ ließ die Stadt Untersuchungen, Planung und Sanierung beauftragen und holte die Zustimmung zur Kostenannahme von 4,115 Mio. Euro erst nachträglich ein. Der Hauptausschuss gab sie am 20.4.2026 mehrheitlich. Auffällig ist die Verteilung: Für Untersuchung und Planung der Bauteile D und A bis C sind 2,565 Mio. Euro vorgesehen (2.150.000 + 65.000 + 350.000), also gut 62 Prozent der Summe. Die Betonsanierung der Rundstützen ist mit 669.600 Euro angesetzt.
Das Rechnungsprüfungsamt hielt dagegen: Nach dem Abstützen sei die unmittelbare Gefahr beseitigt, weitere Arbeiten wie Betonsanierungen seien dann nicht mehr von „Gefahr im Verzug“ gedeckt, auch wenn sie dringend seien. Außerdem beanstandete es pauschale Risikozuschläge von 25 Prozent, zusammen 860.000 Euro, ohne dass konkrete Risiken beschrieben wurden. Für einen Totalunternehmerzuschlag von 16 Prozent fehlte eine Begründung.
Die Verwaltung verwies auf das frühe Projektstadium und die Erfahrungswerte aus anderen Projekten. Die Kostenannahme sei mit einer Abweichung von plus/minus 50 Prozent angegeben; rechnerisch wären das bis zu rund 6,2 Mio. Euro (4,115 Mio. mal 1,5). Nur drei Aufträge seien wegen Dringlichkeit direkt vergeben worden, die übrigen als reguläre Direktvergaben ohne öffentlichen Wettbewerb, weil ihr Wert niedrig genug war. Das Prüfungsamt blieb nach weiteren Gesprächen bei seinen Feststellungen. Im Haushalt 2025 standen nur 707.595 Euro bereit, die übrigen 3.407.405 Euro belasten das Ergebnis. Die eigentliche Generalsanierung kommt noch dazu; der Hauptausschuss verlangte dafür eine Minimalvariante.
Kritik
Wer eine Gefahr abgewendet hat, darf die Folgearbeiten nicht weiter unter dem Etikett der Eile am Wettbewerb vorbei vergeben. Pauschale Zuschläge von 860.000 Euro ohne benannte Risiken sind kein Kostenansatz, sondern ein Puffer, der leicht zum Budget wird. Die Stadt hätte nach der Abstützung die weiteren Untersuchungen und Planungen ausschreiben und die Kosten sauber begründen müssen. Bei einem Bauwerk mit Folgekosten in unbekannter Höhe ist das Vertrauen in die Zahlen die Mindestanforderung.
3198/2025: Tiefgarage am Dom: Betonsanierung Bauteile A, B, C, D, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 7. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.