400.000 Euro für Musikfest zur Spielemesse
Köln zahlt dem Straßenfest zur Computerspiele-Messe Gamescom 400.000 statt der geplanten 150.000 Euro, entschieden per Eilbeschluss ohne den Rat
Was ist passiert?
Seit 2009 findet in Köln die Spielemesse Gamescom statt. Rund um die Messe gibt es das Gamescom City Festival, ein Open-air-Programm mit Schwerpunkt auf Musik, das seit mehr als einem Jahrzehnt von der Media Kultur Köln veranstaltet wird. Die Stadt bezuschusst es mit Steuergeld.
Im Haushalt 2025/26 waren dafür 150.000 Euro jährlich eingeplant. Schon 2025 reichte das nicht: Der Rat hob den Betrag am 4. September 2025 überplanmäßig um 100.000 Euro auf 250.000 Euro an. Für 2026 soll der Zuschuss nun auf 400.000 Euro steigen, also um weitere 250.000 Euro. Gegenüber dem ursprünglichen Ansatz ist das das 2,7-Fache (400.000 : 150.000). Entschieden wurde im März 2026 per Dringlichkeitsentscheidung durch den Oberbürgermeister und ein Ratsmitglied. Der Rat sollte sie am 19. März 2026 nachträglich genehmigen; wie er votierte, ist in der Vorlage nicht vermerkt.
Die Verwaltung führt an, der Veranstalter müsse früh Künstler buchen sowie Bühne, Technik und Sicherheitsdienst fest vergeben. Dazu kämen steigende Sicherheitskosten und ein neuer Schwerpunkt mit Lichtkunst am linksrheinischen Rheinufer. Der eigentliche Grund liegt woanders: Das Festival gilt als „bedeutende Werbemaßnahme“ für die Messe. Dem GameVerband waren bei den Verhandlungen über den Verbleib der Gamescom Anfang 2025 „diverse Werbemaßnahmen“ in Aussicht gestellt worden. Die Stadt verweist auf Gewerbesteuereinnahmen und die lokale Wirtschaft, nennt dazu aber keine Zahl. Bei dieser Tragweite hält die Verwaltung die zusätzlichen 250.000 Euro für wirtschaftlich.
Bezahlt werden soll aus „Wenigeraufwendungen“ des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik bei den Sach- und Dienstleistungen. Dort blieb also offenbar Geld übrig, das nun einem Festival zugutekommt. Zudem soll dem Rat bald ein Vorschlag vorgelegt werden, wie das Festival über 2030 hinaus gesichert werden kann.
Kritik
Wer eine Messe mit Steuergeld im Land halten will, muss den Preis dafür begründen können. Eine Steigerung von 150.000 auf 400.000 Euro binnen zwei Jahren lässt sich mit dem Hinweis auf eine nicht bezifferte Gewerbesteuer nicht rechtfertigen. Ein Zuschuss in dieser Größe gehört mit nachvollziehbarer Kalkulation und Eigenbeteiligung des Veranstalters früh in den regulären Haushalt, statt kurzfristig per Dringlichkeitsentscheidung beschlossen zu werden. Dass die 250.000 Euro anderswo in der Verwaltung scheinbar entbehrlich waren, sollte zudem Anlass sein, dort die Ansätze zu senken.
0527/2026: Überplanmäßiger Aufwand für das Gamescom City Festival 2026 in der Produktgruppe - 1501 Wirtschaft und Tourismus, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 11. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.