Staatsbilanz

Stadt/Köln/Teure Kleinigkeit

402.000 Euro für drei Toiletten im Park

Im Kölner Blücherpark kostet der Neubau 134.000 Euro je Kabine, der Biergarten nebenan bringt der Stadt nur 12.000 Euro im Jahr ein

Was ist passiert?

Der Blücherpark im Kölner Norden ist ein Baudenkmal nach Plänen des Gartenarchitekten Fritz Encke und eine der meistbesuchten Grünanlagen der nördlichen Stadtbezirke. Am Parkweiher liegt eine Kahnstation, die als Biergarten verpachtet ist. Daneben steht ein Nebengebäude aus den 1950er Jahren mit Toiletten, Technik und Lager. Es gehört nicht zum Denkmal.

Laut Stadt ist das Haus marode: Feuchtigkeitsschäden, Schimmel, defekte Leitungen. Weil die Toiletten immer wieder schließen mussten, steht seit März 2022 eine mit Siebdruckplatten eingehauste Mobiltoilette daneben. Sie kostet 23.565 Euro im Jahr. Nun soll das alte Gebäude auf gleicher Grundfläche durch einen Neubau aus Sichtbeton mit vorgehängter Glasfassade an den Eingängen ersetzt werden. Vorgesehen sind drei Toilettenkabinen, eine davon barrierefrei, dazu ein Technik- und ein Lagerraum. Die Stadt rechnet mit rund 402.000 Euro. Die Außenanlagen sind darin nicht enthalten, die erledigt das Grünflächenamt in Eigenregie.

Rechnet man grob, kommen auf jede Kabine 134.000 Euro (402.000 geteilt durch 3), auch wenn Technik- und Lagerraum mitfinanziert werden. Allein für Planung, Statik und Gutachten fallen laut Kostenzusammenstellung gut 87.000 Euro an. Die Pacht der Kahnstation brachte im Schnitt der Jahre 2023 bis 2025 rund 12.000 Euro jährlich. Der Neubau entspricht damit 33,5 Jahren Pachteinnahmen (402.000 geteilt durch 12.000). Ab 2028 erwartet die Stadt zudem jährlich 5.500 Euro für Fassadenreinigung und 6.700 Euro Abschreibung, zusammen 12.200 Euro und damit mehr als die Pacht.

Die Verwaltung hält dagegen: Eine Toilette sei rechtliche Voraussetzung für den Biergarten, der Technikraum nötig für Pumpe und Wassersprudler, die den Weiher mit Sauerstoff versorgen. Außerdem entfalle die Mobiltoilette, was 23.565 Euro im Jahr spare. Eine Kernsanierung habe man geprüft und für unwirtschaftlich erklärt. Die Bezirksvertretung sollte am 24.9.2026 und der Finanzausschuss am 5.10.2026 entscheiden. Ob sie zugestimmt haben, ist nach Stand der Vorlage offen. Fertig sein soll das Haus im zweiten Quartal 2028.

Kritik

Dass der Biergarten Toiletten und der Weiher Technik braucht, ist unstrittig. Aber 134.000 Euro je Kabine für Sichtbeton und Glasfassade stehen in keinem Verhältnis zu einer Pacht von 12.000 Euro im Jahr. Ein schlichter Zweckbau mit klar begrenztem Kostenrahmen hätte gereicht, und der Pächter, der den Nutzen hat, sollte sich an den Folgekosten spürbar beteiligen. Die Ersparnis bei der Mobiltoilette ist ein Argument für eine Lösung, nicht für diese teure Lösung.

0433/2026: Ersatzneubau des Nebengebäudes der Gastronomie in der Grünanlage Blücherpark Hier: Bau- und Mittelfreigabebeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 29. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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