Staatsbilanz

Stadt/Köln/Kostensteigerung

Bibliothek Köln: 139,8 statt 38,3 Millionen

Der Umbau der Zentralbibliothek in Köln kostet 139,8 Millionen Euro, 2015 waren es noch 38,3 Millionen, nun tauchen neue Betonschäden auf

Was ist passiert?

Die Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof ist das Haupthaus der Kölner Bibliotheken. Die Stadt lässt sie nach vollständiger Auslagerung des Betriebs generalsanieren, energetisch erneuern und nach einem neuen Nutzungskonzept umbauen. Bauherrin ist die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln. Der Betrieb läuft seit Oktober 2025 in einem Interim in der Hohen Straße 68 bis 82.

Als 2015 der Planungsbeschluss fiel, standen 38,3 Mio. Euro im Raum. Beim Baubeschluss 2018 waren es 59,4 Mio. Euro, 2021 dann 81,15 Mio. Euro. Mit der Kostenfortschreibung vom 16. Mai 2023 bewilligte der Rat schließlich 139,8 Mio. Euro. Das ist gut das Dreieinhalbfache der ersten Schätzung (139,8 : 38,3 = 3,65) und ein Aufschlag von rund 101,5 Mio. Euro.

Gebaut wird seit September 2024, sechs Jahre nach dem Baubeschluss. Die Übergabe an die Nutzer ist für das erste Quartal 2028 vorgesehen, der Einzug für das zweite. Verfügt sind bisher 95,9 Mio. Euro, gezahlt wurden 45,7 Mio. Euro, knapp ein Drittel der Gesamtsumme (45,7 : 139,8 = 33 Prozent).

Nun kam die nächste Überraschung: Beim Abbruch und bei der Betoninstandsetzung wurden „umfangreiche zusätzliche Schadstellen“ entdeckt. Welche Kosten und Verzögerungen daraus folgen, wird noch geprüft. Dabei ist das Polster dünn. Die Gesamtsumme besteht aus 131,0 Mio. Euro Projektkosten und einem Risikoposten von 8,8 Mio. Euro. Das sind nur gut sechs Prozent (8,8 : 139,8 = 6,3 Prozent). 2021 war der Risikozuschlag mit 10,2 Mio. Euro noch höher angesetzt, bei einem Projekt, das damals nur 81,15 Mio. Euro kosten sollte.

Die Verwaltung sieht das Vorhaben trotzdem im Plan. Das Vergaberisiko wurde herabgestuft, weil der Generalunternehmer beauftragt ist, und auch der fristgerechte Auszug aus dem Altbau gilt als planmäßig. Das sind die Gründe für die Entwarnung. Ob sie auch noch trägt, wenn die Rechnung für die neuen Schäden vorliegt, lässt der Bericht offen.

Kritik

Binnen weniger Jahre haben sich die Kosten mehr als verdreifacht, und das in drei Schritten, die jeweils als neue Prognose verkauft wurden. Dass im Bau erst große Betonschäden auftauchen, zeigt, dass der Zustand des Altbaus vor den Beschlüssen nicht gründlich genug untersucht wurde. Eine Reserve von gut sechs Prozent ist für ein Sanierungsprojekt in dieser Größe und mit diesem Verlauf zu knapp bemessen. Vor weiteren Zusagen sollte die Stadt die Kosten der neuen Schäden offenlegen und die Reserve realistisch ansetzen.

0005/2026/1: Sachstandsbericht zur Zentralbibliothek Köln, Stand 25. Februar 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 2. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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