Jüdisches Museum in Köln: 190 Millionen
Das Museum am Kölner Rathaus sollte 51,8 Millionen Euro kosten, jetzt sind es 190 Millionen, und das Geld reicht noch nicht für die Ausstellung
Was ist passiert?
Vor dem historischen Rathaus der Stadt liegt ein großes Grabungsfeld mit Überresten aus der Römerzeit und einer alten jüdischen Gemeinde. Das Feld soll eine Betondecke erhalten, unter der die Ausstellung eingerichtet wird. An der Marspfortengasse und der Straße Unter Goldschmied, wo einst die Synagoge stand, entsteht der oberirdische Teil des „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“.
Als der Rat im Juli 2011 den Bau beschloss, standen 51,8 Mio. Euro im Plan. Die Stadt sollte 72 Prozent tragen, das Land 28 Prozent. Es folgten Erhöhungen auf 61,6 Mio. Euro (Kostenberechnung 2015), 77 Mio. Euro (Juli 2017) und 127 Mio. Euro (Mai 2021). Im Oktober 2024 nahm der Rat schließlich Mehrkosten von 63 Mio. Euro zur Kenntnis, das Budget stieg auf 190 Mio. Euro (190 minus 127). Die Verwaltung nennt als Grund die „enorm gestiegenen Kosten“ im Gewerk Stahlbau und die Beauftragung des Generalunternehmers für Ausbau und Gebäudetechnik. Zudem tauchten bei den Arbeiten neue archäologische Funde auf, weshalb der Parcoursweg geändert werden muss.
Das Ergebnis lässt sich nachrechnen: 190 Mio. Euro sind gut das 3,7-Fache der ursprünglichen 51,8 Mio. Euro, ein Plus von 267 Prozent. Dabei trägt die Stadt einen immer größeren Teil, denn die Landesförderung sank auf 18 Prozent. In Euro heißt das: Aus 72 Prozent von 51,8 Mio. Euro (rund 37,3 Mio. Euro) wurden 82 Prozent von 190 Mio. Euro (rund 155,8 Mio. Euro), also mehr als das Vierfache.
Das Ende der Rechnung ist dennoch nicht gesichert. Nach dem Sachstandsbericht vom April 2026 ist das Budget mit der Beauftragung des Generalunternehmers ausgeschöpft, die Prüfung von Einsparpotenzialen „dauert weiter an“. Das Paket für die Ausstellung kann frühestens im dritten Quartal 2026 ausgeschrieben werden und gilt als hohes Vergaberisiko. Wegen der Insolvenz der Fassadenfirma müssen Restleistungen neu vergeben werden, und die Firma für die Außenanlagen kündigte ihren Vertrag. Der Bau soll im Juni 2028 fertig sein, nach einem halben Jahr Probebetrieb soll das Museum im Dezember 2028 starten.
Kritik
Ein Projekt, dessen Kosten in vier Schritten von 51,8 auf 190 Mio. Euro stiegen, wurde offenkundig zu lange mit zu optimistischen Zahlen gerechtfertigt. Besonders schwer wiegt, dass das Budget ausgeschöpft ist, obwohl die Ausstellung als großer Posten noch gar nicht ausgeschrieben ist. Die Stadt trägt am Ende vier Fünftel der Kosten, und das Land zieht sich anteilig zurück. Bei einem Vorhaben auf einem Grabungsfeld hätte von Beginn an ein ehrlicher Risikopuffer und eine feste Kostenobergrenze stehen müssen, an der sich Planung und Ausstattung messen lassen.
0001/2026/2: Sachstandsbericht zum Projekt Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln (MiQua) - Stand 13. April 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 28. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.