Staatsbilanz

Stadt/Köln/Kostensteigerung

Köln: 1,77 Millionen für Brückenabriss

In Köln-Mülheim kostet der Abriss einer Brücke samt Übergangsbrücke auch für Autos 1,77 statt 1,07 Millionen Euro, obwohl Fußwege reichen würden

Was ist passiert?

Im Stadtbezirk Mülheim führt die Straßenbrücke Am Flachsrosterweg über die Bahnstrecke Köln, Wuppertal. Sie wurde 1967 gebaut, ist 42 Meter lang und besteht aus Stahl mit einer Fahrbahnplatte aus Beton. Ihr Zustand ist schlecht: Die Konsolen, auf denen die Fahrbahnplatte liegt, sind stark korrodiert und wegen ihrer geschlossenen Bauweise nicht prüfbar. Seit April 2025 sorgt eine Ampel dafür, dass die Brücke nur abgelastet befahren wird.

Die Stadt will die Brücke abbrechen, und das geht nur in der Sperrpause der Bahn von Mai bis Juli 2026. Das nächste Zeitfenster käme nach Auskunft der DB frühestens 2032. Die Rückbaukosten wurden zunächst auf 290.000 Euro geschätzt. Nach der Ausführungsplanung waren es 530.000 Euro, also 240.000 Euro oder gut 80 Prozent mehr (240.000 geteilt durch 290.000). Erst dadurch musste die Politik entscheiden. Dazu kommt eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer, die sechs Jahre stehen soll und 536.000 Euro kostet, davon 300.000 Euro Miete, also 50.000 Euro im Jahr. Zusammen sind das 1,066 Mio. Euro.

Die Verwaltung hielt diese Lösung für ausreichend. Eine einspurige Behelfsbrücke für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen koste rund 700.000 Euro mehr und sei „unverhältnismäßig“. Sie würde zudem gegen die Bewirtschaftungsverfügung vom 18.12.2025 verstoßen, die eine restriktive Haushaltsführung anordnet.

Die Bezirksvertretung sah das anders. Am 21.3.2026 beschloss sie per Dringlichkeitsentscheidung zusätzlich eine Behelfsbrücke, über die auch Autos fahren können, in der „kostengünstigsten Variante“ und mit Ampeln an beiden Enden. Legt man die genannten 700.000 Euro auf die 1,066 Mio. Euro, wären es rund 1,77 Mio. Euro für Abbruch und Übergangslösung, etwa zwei Drittel mehr. Die genauen Kosten der beschlossenen Variante nennt die Vorlage nicht. Die Miete von 50.000 Euro im Jahr soll ab 2027 im Haushalt eingeplant werden.

Kritik

Der Abriss ist unvermeidlich, die Behelfsbrücke für Autos ist es nicht. Wer für sechs Jahre eine Brücke mietet, die nach Aussage der Verwaltung verkehrlich nicht unbedingt notwendig ist und rund 700.000 Euro mehr kostet, nimmt eine Verteuerung um etwa zwei Drittel in Kauf. Dass die Kosten für den Abriss schon vor dem Beschluss um 83 Prozent gestiegen waren, hätte Anlass sein müssen, bei den Zusatzwünschen zurückhaltend zu sein. Eine Stadt, die sich selbst eine restriktive Haushaltsführung verordnet hat, sollte sich daran auch halten, wenn der Druck der Anwohner wächst.

0800/2026: Baubeschluss für den Rückbau der Straßenbrücke "Am Flachsrosterweg", Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 21. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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