Staatsbilanz

Stadt/Köln/Kostensteigerung

Kölner Bücherei: Umbau 140 statt 59 Millionen

Die Stadt Köln baut ihre Zentralbibliothek für 139,8 Millionen Euro um, beschlossen waren 2018 noch 59,4 Millionen, nun tauchen neue Schäden auf

Was ist passiert?

Die Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof ist das Haupthaus der Kölner Stadtbibliothek, die nach Angaben der Stadt die meistbesuchte Kultureinrichtung Köln ist. Das Gebäude wird nach vollständiger Auslagerung seit September 2024 generalsaniert, große Teile der Ausstattung stammen noch aus dem Jahr 1979. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Quartal 2028 vorgesehen.

Beim Baubeschluss 2018 standen 59,4 Mio. Euro im Raum, darin bereits ein Risikozuschlag von rund 10,7 Mio. Euro. 2021 hob der Rat die Summe auf 81,15 Mio. Euro an, im Mai 2023 auf 139,8 Mio. Euro. Das sind 80,4 Mio. Euro mehr als zu Beginn (139,8 minus 59,4), also das 2,35-Fache. Bezahlt waren zuletzt 45,7 Mio. Euro, etwa ein Drittel der Gesamtsumme.

Trotzdem betont die Verwaltung, die Maßnahme liege „im Zeit- und Kostenplan“. Das stimmt nur gegenüber der Zahl von 2023. Mit dieser Begründung ließ die Stadt im Juni 2026 per Dringlichkeitsentscheidung eine Verpflichtungsermächtigung von 9,501 Mio. Euro für die Innenausstattung freigeben, der Finanzausschuss soll am 29. Juni 2026 nachträglich zustimmen. Eile sei geboten, weil die Vergaben vorbereitet seien und eine Verzögerung den Kostenplan gefährden könne. Die dafür nötigen Leistungsverzeichnisse lagen allerdings schon seit März 2026 vor. Die Vorlage kam nach Angaben der Verwaltung wegen interner Abstimmungen zum Haushalt 2027/2028 zu spät.

Zugleich räumt der Sachstandsbericht ein, dass bei Abbruch und Betoninstandsetzung „umfangreiche zusätzliche Schadstellen“ entdeckt wurden. Welche Folgen sie für Kosten und Termine haben, werde „derzeit geprüft“. Die Prognose von 139,8 Mio. Euro besteht aus 131,0 Mio. Euro Projektkosten und 8,8 Mio. Euro für Risiken. Dieser Puffer macht gut sechs Prozent der Gesamtsumme aus (8,8 geteilt durch 139,8).

Kritik

Wer ein Budget binnen fünf Jahren auf mehr als das Doppelte anhebt, kann es nicht als Erfolg verbuchen, dass es anschließend hält. „Im Plan“ ist ein schwacher Maßstab, wenn der Plan zuvor mehrfach nach oben korrigiert wurde. Bei einem Altbau mit frisch entdeckten Schäden hätte die Stadt erst klären müssen, was deren Beseitigung kostet, bevor sie weitere Millionen für Ausstattung bindet. Und eine Dringlichkeit, die sich aus der eigenen verspäteten Vorlage ergibt, taugt nicht als Grund, den Weg über die reguläre Beratung abzukürzen.

0340/2026: Mittelfreigabe für die Ausstattung der Zentralbibliothek nach der Generalsanierung am Josef-Haubrich-Hof, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 3. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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