Kölner Frauenhaus kostet 353.000 Euro, jetzt leer
Köln zahlte für zehn Notbetten für obdachlose Frauen 353.000 Euro im Jahr, nach dem Rückzug der Ordensschwestern steht das Haus Rosalie Rendu leer
Was ist passiert?
Im Haus Rosalie Rendu finden wohnungslose Frauen Unterkunft und Hilfe. Getragen wurde das Angebot von den Vinzentinerinnen. Bis Juni 2024 hielt das Haus drei Plätze einer Notschlafstelle und sieben Plätze der ambulanten Hilfe nach § 67 SGB XII in einem Wohnprojekt vor. Weil sich die Ordensschwestern altersbedingt zurückzogen, wurde es im Sommer 2024 neu ausgerichtet: als Notaufnahme mit zehn Plätzen und einer vorgesehenen Verweildauer von rund zwei Monaten. Die Stadt erhöhte dafür ihre jährliche Finanzierung um rund 270.000 Euro auf etwa 353.000 Euro. Vorher waren es demnach rund 83.000 Euro (353.000 minus 270.000), also nur knapp ein Viertel. Je Platz kostete die Notaufnahme damit rund 35.300 Euro im Jahr (353.000 geteilt durch 10).
Doch der Umbau des Angebots zog sich. Die Frauen aus dem bisherigen Wohnprojekt in passende Hilfen zu vermitteln, dauerte rund ein Jahr. In vollem Umfang lief die Notaufnahme deshalb erst ab September 2025. Schon Mitte 2026 wollten die Vinzentinerinnen das Angebot aufgeben.
Den SkF fragte die Stadt, ob er das Haus weiterführen könne. Das wäre nur mit rund 300.000 Euro zusätzlichen Personalkosten gegangen, die die Verwaltung mit Blick auf die Haushaltslage ausschloss. Eine Umstellung auf ambulante Hilfe in einem Wohnprojekt wurde nicht zu Ende geprüft, weil die Finanzierungshöhe unklar blieb. Die Stadt führt zudem an, die Vinzentinerinnen hätten Fragen zu Miete, Betriebs- und Sachkosten nicht umfassend beantwortet. So lautet die Erklärung der Verwaltung.
Die letzte Aufnahme erfolgte am 6. Mai 2026. Ende Juni lebten noch neun Frauen im Haus, die alle anderweitig untergekommen sind. Das Notschlafstellenangebot entfällt, das Gebäude steht ungenutzt. Die Verwaltung hat es nach eigener Auskunft nie selbst begangen. Im Frühherbst sollen Gespräche klären, ob dort Mietwohnraum oder Trägerwohnraum entstehen kann.
Kritik
Erst wird die Förderung für ein neues Konzept auf mehr als das Vierfache angehoben, dann fehlt zum Ende eine Lösung für den Weiterbetrieb. Die Stadt hat zehn Plätze finanziert, die kaum ein Jahr lang voll liefen, und steht nun mit einem leeren Haus da. Dass die Verwaltung das Gebäude nie selbst in Augenschein nahm, obwohl sie dessen Nutzung maßgeblich mitfinanzierte, überzeugt nicht. Vor der Neuausrichtung hätten Kosten, Zukunft des Standorts und ein Plan für die Zeit nach dem Rückzug der Schwestern geklärt werden müssen, nicht erst danach.
1989/2026: Beantwortung der Anfrage AN/1151/2026 der SPD Fraktion zur Schließung des Hauses Rosalie Rendu: Auswirkungen auf die Versorgung wohnungsloser und von Gewalt betroffener Frauen in Köln, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 29. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.