Kölner Museum kostet 230 statt 62 Millionen Euro
Köln baut unter dem Rathausplatz ein jüdisches Museum, geplant waren 61,6 Millionen Euro, nun sind es 230, die Stadt zahlt 196,3 Millionen
Was ist passiert?
Unter dem Kölner Rathausplatz liegen römische Reste und weitere archäologische Funde. Darüber baut die Stadt das MiQua, das LVR-Jüdische Museum im Archäologischen Quartier. Ein 600 Meter langer Rundgang soll sich über rund 6.000 Quadratmeter unterirdische Fläche erstrecken, darüber ein Museumsgebäude auf einem Stahlbetondeckel. Das Land fördert das Vorhaben, Hauptauflage ist der Schutz der Archäologie.
Im Jahr 2015 war das Projekt mit 61,6 Mio. Euro veranschlagt. Seither musste der Rat vier Mal höhere Summen zur Kenntnis nehmen: 77 Mio. Euro (2017), 127 Mio. Euro (2021), 190 Mio. Euro (2024) und nun rund 230 Mio. Euro. Die Fördermittel des Landes blieben bei 33,7 Mio. Euro stehen. Den Rest muss die Stadt tragen: Ihr Anteil wuchs von 28,9 Mio. Euro auf 196,3 Mio. Euro, also auf knapp das Siebenfache (196,3 : 28,9).
Hauptgrund der jüngsten Erhöhung um 40 Mio. Euro ist der Stahlbau. Dem ersten Unternehmer wurde im Dezember 2021 gekündigt. Der Nachfolger fand bei den bereits verbauten Stahlteilen nach Angaben der Verwaltung signifikante Mängel, deren Behebung aufwendig und langwierig war. Der Stahlbau war erst im Frühjahr 2026 fertig, 2024 hatte man noch mit Herbst 2024 gerechnet. Die Eröffnung rückt von 08/2027 auf voraussichtlich 12/2028. Hinzu kommen laut Vorlage gestiegene Baupreise durch Kriege in der Ukraine und im Iran.
Rechnerisch kostet jeder Meter des Rundgangs jetzt rund 383.000 Euro (230 Mio. : 600 m), nach der Planung von 2015 waren es rund 103.000 Euro (61,6 Mio. : 600 m).
Das Geld ist knapp: Das Budget von 190 Mio. Euro ist verbraucht, bislang flossen 122,6 Mio. Euro. Ohne zusätzliche Mittel droht nach Angaben der Verwaltung ein Baustopp. Wird das Museum nach dem 31.12.2028 fertig, könnten zudem Fördermittel teilweise zurückgefordert werden. Die Prognose enthält 12,7 Mio. Euro Risikobudget und 4,9 Mio. Euro Puffer, etwa für neue archäologische Funde.
Kritik
Ein Projekt, dessen Preis sich in elf Jahren fast vervierfacht hat, lässt sich mit dem Hinweis auf eine schwierige Innenstadtbaustelle nicht mehr erklären. Dass der fehlerhafte Stahlbau jahrelang die Folgegewerke blockierte, ist ein Versagen bei Vergabe und Bauüberwachung, das die Stadt tragen muss. Sie hätte die Qualität der Stahlarbeiten früh prüfen und Mängel sofort einfordern müssen, statt über Jahre immer neue Termine und Summen zu melden. Nun trägt die Stadt fast 200 Mio. Euro allein und muss bei jeder weiteren Verzögerung auch noch Fördergeld zurückfürchten.
1929/2026: MiQua.LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln - Mitteilung über die Kostenfortschreibung gemäß § 25 Absatz 1 Nr. 2 der Kommunalen Haushaltsverordnung (KOMHVO) in Verbindung mit §, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 7. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.