Staatsbilanz

Stadt/Köln/Kostensteigerung

Kölner Museum plant Fotoarchiv, baut keins

Kosten für ein Fotoarchiv im Kölner Museum stiegen von 7,94 auf bis zu 18,12 Millionen Euro, 487.000 Euro Planung sind weg

Was ist passiert?

Das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln zeigt Kulturen aus aller Welt und gehört zum Kulturquartier am Neumarkt. Dort sollte auf der Ebene 5.0 ein Fotoarchiv mit Depots entstehen, in dem die historische Fotosammlung des Hauses klimatisch sicher lagert. Daraus wurde nie etwas.

Bereits 2011 stoppte ein Wasserschaden, später kam Schimmel dazu, die Fertigstellung der Ebene. Die Räume wurden nie genutzt. Beim Umzug des Museums im Jahr 2018 landete die Fotosammlung deshalb in einer externen Einlagerung. Die Ursache der Baumängel ist Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen, um Beweise nicht zu vernichten, blieben die Schäden bis heute unbehoben.

Im September 2021 beschloss der Rat dennoch, Sanierung und Ausbau bis zur Leistungsphase 3 zu planen. Die Planung sollte rund 700.000 Euro kosten, die Gesamtkosten für Planung und Bau wurden auf rund 7,94 Mio. Euro geschätzt. Folgekosten für den Betrieb standen in der damaligen Vorlage nicht.

Die Rechnung sieht heute anders aus. Im ungünstigsten Fall liegen die Gesamtkosten nun bei rund 18,12 Mio. Euro, also 10,18 Mio. Euro mehr (18,12 minus 7,94) und mehr als das Doppelte. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von rund 1,1 Mio. Euro. Die Verwaltung nennt als Gründe die Baupreise, die zwischen 2018 und Dezember 2025 um rund 58 Prozent stiegen, die aufwendige Haustechnik sowie ein neues Brandschutzkonzept. Zudem musste eine Planungsphase wiederholt werden, weil das Büro für Haustechnik insolvent wurde.

Am Ende steht der Abbruch. Der Hauptausschuss soll die Planung am 10. August 2026 mit sofortiger Wirkung beenden, der Rat soll im September zustimmen. Gezahlt wurden bisher 427.590,84 Euro, weitere 59.320,22 Euro stehen aus, zusammen rund 487.000 Euro. Das sind etwa 70 Prozent der ursprünglich für die gesamte Planung veranschlagten Summe. Ein Archiv gibt es dafür nicht, die Sammlung bleibt ausgelagert. Wie die Räume stattdessen mit deutlich weniger Geld nutzbar gemacht werden sollen, ist offen.

Kritik

Rund 487.000 Euro Planungsgeld sind ausgegeben, ohne dass auch nur ein Regal für die Fotosammlung gewonnen wurde. Vor dem Planungsbeschluss 2021 hätten nicht nur die Baukosten, sondern auch die laufenden Betriebskosten von jährlich rund 1,1 Mio. Euro belastbar ermittelt werden müssen. Dann wäre früh sichtbar gewesen, dass sich die Stadt dieses Archiv nicht leisten kann. Dass Räume seit 2011 ungenutzt bleiben und die Sammlung seit 2018 extern lagert, ist die eigentliche Verschwendung. Die Stadt hätte den Streit um die Baumängel und die Frage einer schlanken Lösung viel früher klären müssen, statt eine Luxusplanung zu beginnen.

2040/2026: Sanierung und Optimierung des Fotoarchivs und der Depotflächen auf der Ebene 5.0 im Rautenstrauch-Joest-Museum, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 6. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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