Kölner Park: 75 statt 42,5 Millionen Euro
Köln plant auf altem Industriegelände einen 2,5 Kilometer langen Park, doch Schallschutz, Grabungen und Durchgänge fehlen in der Summe noch
Was ist passiert?
Entlang des Eisenbahnrings zwischen Rheinufer und Rudolf-Amelunxen-Straße soll auf einem rund 32,5 Hektar großen Areal, bisher überwiegend Industrie, Gewerbe, Güterbahnhof und Großmarkt, der Kölner Innere Grüngürtel vollendet werden. Die Stadt nennt den „Grüngürtel Parkstadt Süd“ ihr Herzensprojekt. Auf 2,5 Kilometern Länge sind Wiesen, ein Parksee, Spielflächen und Sportangebote vorgesehen.
Als der Rat 2018 den Bedarf feststellte, standen 42,5 Mio. Euro im Raum. Nun soll er die Entwurfsplanung für rund 1 Mio. Euro beschließen, und die Verwaltung nennt als Gesamtkosten rund 75 Mio. Euro, also 32,5 Mio. Euro oder gut drei Viertel mehr. Die reinen Baukosten stiegen von 36,9 auf 59 Mio. Euro, je Quadratmeter von 119 auf 186 Euro. Die Baunebenkosten sprangen von 5,525 auf 15 Mio. Euro. Rechnerisch kostet der Park damit etwa 30.000 Euro je Meter Länge (75 Mio. Euro geteilt durch 2.500 Meter), 2018 waren es noch 17.000 Euro.
Dabei ist die neue Summe ein Zwischenstand. Sie beruht auf einer Schätzung vom November 2022, einen Risikozuschlag enthält sie nicht. Zur Preisentwicklung seien „keine seriösen Aussagen“ möglich. Gar nicht enthalten sind die Durchgänge am Volksgarten, am Zugweg und zum Rheinufer, Straßenübergänge, Bodenmanagement, der Umbau der Bestandsgebäude, Schallschutz, archäologische Grabungen und eine mögliche Radpendlerroute. Ob eine Lärmschutzwand nötig ist, wird erst gutachterlich geprüft. Rund 70 Prozent der Fläche stehen im Altlastenkataster.
Auch im Haushalt ist das Vorhaben nicht angekommen. Die Herstellungskosten sind nicht veranschlagt, eine Förderung gibt es nicht. Dass die Liste der Großbauprojekte die 75 Mio. Euro als „beschlossenes Baubudget“ führte, räumt die Verwaltung selbst als „ggf. missverständlich“ ein. Der Baubeginn wird für Frühjahr 2030 angestrebt. Einen Teil der Kosten, etwa für Parksee, Versickerung und 20.000 Quadratmeter Spielflächen, verursachen laut Vorlage andere Teilprojekte der Parkstadt Süd. Wer sie am Ende trägt, soll erst später geklärt werden.
Kritik
Eine Summe, die um drei Viertel gewachsen ist und die wichtigsten Risiken nicht enthält, taugt nicht als Entscheidungsgrundlage für den Rat. Vor weiteren Planungsmillionen hätte die Stadt Durchgänge, Schallschutz, Boden und Grabungen beziffern und eine verbindliche Kostenobergrenze setzen müssen. Die Anteile, die andere Teilprojekte der Parkstadt Süd verursachen, gehören offen ausgewiesen und diesen Projekten zugeordnet. Und ein Park, der Haushalt und Förderung noch nicht gesichert hat, sollte im Umfang so lange gedeckelt werden, bis klar ist, was die Stadt sich leisten kann.
2446/2024: Weiterplanungsbeschluss auf Basis des Vorentwurfs GRÜNGÜRTEL Parkstadt Süd, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 8. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.