Porzer Sozialwohnungen fast doppelt so teuer
Köln baut in Porz ein Haus mit 16 Wohnungen für 8,28 statt 4,43 Millionen Euro, das sind rund 517.000 Euro je Wohnung
Was ist passiert?
Am Deutzer Weg im Kölner Stadtteil Porz lässt die Stadt auf eigenem Grundstück ein Mehrfamilienhaus im öffentlich geförderten Wohnungsbau errichten. Der Rat beschloss das Vorhaben im Mai 2021 mit Gesamtkosten von 4,43 Mio. Euro brutto. Fertig werden soll das Haus im ersten Quartal 2026.
Im Januar 2026 musste die Verwaltung dem Rat mitteilen, dass es nun voraussichtlich 8,28 Mio. Euro werden, also 3,85 Mio. Euro mehr. Die Unterlagen nennen 16 Wohnungseingangstüren. Je Tür waren ursprünglich rund 277.000 Euro eingeplant (4,43 Mio. Euro geteilt durch 16), nun sind es rund 517.000 Euro (8,28 Mio. Euro geteilt durch 16).
Die Verwaltung führt Corona, den Ukraine-Krieg, knappe Baustoffe, wenige Bieter und eine geänderte Schallschutznorm an. Tatsächlich lag das Baupreisniveau im zweiten Quartal 2025 laut Vorlage 47 Prozent über dem Stand von Ende 2020. Auf 4,43 Mio. Euro angewandt wären das gut 2,08 Mio. Euro. Die übrigen rund 1,77 Mio. Euro (3,85 Mio. minus 2,08 Mio.) erklärt die Teuerung demnach nicht.
Die ursprüngliche Kostenberechnung wirkt an einigen Stellen lückenhaft. Die Kampfmittelräumung stand dort mit 0 Euro, die Verkehrssicherung am Deutzer Weg fehlte ganz und kostet nun rund 98.000 Euro. Beim Rohbau gingen im ersten Verfahren zweimal keine Angebote ein, danach wurde ein Unternehmen beauftragt. Der Auftrag lag bei 1,58 Mio. Euro statt der veranschlagten 0,85 Mio. Euro. Das Gerüst kostet mit Nachträgen rund 147.000 Euro statt 19.000 Euro, auch wegen der Insolvenz des Gerüstbauers.
Dass der Rat so spät informiert wurde, räumt die Verwaltung selbst ein. Die Mehrkosten zeichneten sich schon bei der Vergabe der Hauptaufträge ab, wurden aber nicht als haushaltsrechtlich relevant bewertet. Bezahlt werden sollen 1,35 Mio. Euro über Mittel anderer Wohnungsneubauten. Drei davon verzögern sich, der Neubau an der Pallenbergstraße entfällt. Weitere 326.400 Euro sind noch nicht ausgeschrieben, darunter 186.900 Euro für die Sanierung von Straße und Gehweg.
Kritik
Eine Kostenberechnung, die Kampfmittelräumung mit null Euro ansetzt und die Verkehrssicherung gar nicht kennt, taugt nicht als Grundlage für einen Baubeschluss. Die Preissteigerung erklärt nur gut die Hälfte der Mehrkosten, der Rest geht auf lückenhafte Planung und Nachträge. Wer schon bei den Vergaben weiß, dass es teurer wird, muss den Rat sofort entscheiden lassen, statt ihn am Ende vor vollendete Tatsachen zu stellen. Nun fehlt das Geld bei anderen Wohnungsbauprojekten, die verzögert werden oder ganz entfallen.
0568/2025: Neubau eines Wohngebäudes im öffentlich geförderten Wohnungsbau auf dem städtischen Grundstück Deutzer Weg 1 und 3, 51143 Köln-Porz - Haushaltsrechtliche Unterrichtung gem. § 25 Abs. 1 Nr. 2 KomHVO i.V.m. § 12 der Haushaltssatzung 2025/2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 6. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.